Die Geschichte der Benzmühle (ehemals Penzmühle)

zu Reit im Winkl (Kreis Traunstein/Oberbayern)

und die Verbindung der dortigen Penz/Benz

zu den Benz im Gebiet um Eichstätt und an der Brenz

 

Benzmühle Winter und Sommer

 

6. - 8. Jh.

Mit der Landnahme durch die ersten Bajuwaren erschien der Name "Penz" bereits um 500 bis 550 n. Chr. in Bayern. So gründete - laut archäologischen Ausgrabungen - in dieser Zeit ein "Penzo" oder "Panzo" den im heutigen Oberbayern liegenden Ort "Penzing" (Landkreis Landsberg am Lech). Eigenart dieser ersten freien Bajuwaren war es, ihre Orte mit "-ing" enden zu lassen. Die altbaierische Endung "-ing" bedeutet dabei soviel wie "Wohnstätte des ..." bzw. "bei den Leuten des ..."; so dass der heutige Ortsname "Penzing" als "bei den Leuten des Penzo" übersetzt werden kann.

"Penzo" seinerseits kann zwei Ursprünge haben: entweder vom Vornamen Bertwalt (später entwickelte sich hieraus Bert(h)old), wobei das althochdeutsche "beraht" soviel wie "hell, strahlend, glänzend, prächtig, berühmt" bedeutet und das althochdeutsche Wort "waltan" so viel wie "herrschen, walten, verwalten"). "Penz"/"Benz" wäre demnach der strahlende, glänzende Herrscher (im Sinne eines Verwalters).

Andererseits kann auch der Vorname Bernhard in Frage kommen. Dieser bedeutet "stark, mutig und kühn wie ein Bär".

Für die erste Annahme spricht, dass in den frühesten Urkunden in Bayern und Tirol die Namen "Penz" und "Berchtold" parallel erschienen. So hatten sowohl in Bayern als auch in Südtirol und in Württemberg die ersten bekannten Familiennamensträger den Vornamen "Berchtold".

Interessanterweise erscheinen die mittelalterlichen "Benz"/"Penz" genau in dieser oben genannten Verwalterfunktion (z. B. als Pfleger, Vögte oder Hofräte; so war Niklas Penzil Pfleger in Reichenhall, Christoph Benz Vogt des Fürsten von Liechtenstein oder Robert Benz Statthalter von Tirol). Die Benz roden für ihre Grafen Land (vgl. Benz-/Penzorte in Bayern und Österreich), bauten Wehrsiedlungen (vgl. z.B. Penzing bei Wien) und verwalten diese.

Der Name "Penzo" oder später "Penz" erscheint besonders häufig im Umfeld der Grafengeschlechter Huosi, Sieghartinger, Sulzbacher, Spannheimer, Ortenburger, Falkensteiner und Valley, einer untereinander sehr eng verschwägerten Grafendynastie, die auch im Chiemgauer Raum große Besitzungen hatte. Aufgabe dieser Penz war es oftmals Land zu gewinnen und dieses zu verwalten. In dieser Funktion erschienen die Penz im 12. und 13. Jahrhundert z. B. in Tirol (so z. B. in Mauern am Brenner, später im Zillertal) bzw. Südtirol (z. B. in Bozen und Tisens).

Die Beziehungen unserer Familie zu den Tiroler Penz haben teilweise bis ins 19. Jahrhundert bestanden (so hatten die Knogler von Ingolstadt auch weitschichtig verwandtschaftliche Beziehungen zu den Penz in Uderns/Zillertal; zu Knogler vgl. unten).

Auch zu den Benz nach Baden-Württemberg konnte bis ins 17. Jahrhundert ein Beziehung nachgewiesen werden. So wird 1625 ein Johannes Benz, Sohn des Johannes Benz aus "Unterbaing in Wirtemberg" (=Unterboihingen in Württemberg) in Kipfenberg (Kreis Eichstätt/Oberbayern) gefirmt. Firmpate ist der Student Johannes Benz, Sohn des Baders Michael Benz aus Kipfenberg, letzterer gebürtig vom Nachbarort Greding (näheres vgl. unter 1625).

Den ersten Hinweis zum Namen Penz findet man - wie oben bereits ausgeführt - im 6. Jahrhundert. Das um 500 bis 550 nach Christus gegründete"Penzing" bei Landsberg lag im Machtbereich des Grafengeschlechts der Huosi. Eine Seitenlinie der Huosi (aus dieser gingen später die Aribonen hervor) ließ sich etwa um 750 n. Chr. im Gebiet von Freising, im Isen- und im Chiemgau nieder. So stellte das Geschlecht der Huosi ab ca. 764 für fast 120 Jahre (bis 883) den 4. bis 9. Bischof von Freising. Dies dürfte wohl auch ein Grund für die Verlagerung des ursprünglichen Herrschaftsgebiets (Lech, Ammersee, Glonn, Ilm, Paar) in den Isen- und Chiemgau gewesen sein. Das Wort "Isengau" bedeutet soviel wie "Eisengau", da dieses Gebiet reich an Eisenerz war (die ersten Penz erschienen eigenartigerweise immer in Bergwerksorten). Mit der Ansiedlung im Isen- und Chiemgau erschien nun auch öfters der Name "Penzo" in diesem Teil Bayerns, während der Name "Penzo" im Stammland der Huosi (am Ammersee) nahezu verschwandt. Nun wurden im Isen- und Chiemgau zwei weitere "Penzing"-Orte gegründet. Einer dieser "Penzing"-Orte liegt im Traunsteiner Nachbarlandkreis Rosenheim, der andere im heutigen Landkreis Erding, im Isengau (=Eisengau).

788 (ca.)

Das heutige Dorf "Penzing" im Landkreis Rosenheim liegt nur wenige Kilometer östlich von Wasserburg. Das dort ansässige Geschlecht "derer von Penzing" bzw. "Penzinger" war ein Ministerialengeschlecht, aus deren Besitz sich später die Hofmark Penzing bildete.

In Wiener Gesichtsquellen geht man davon aus, dass der heutige Wiener Ortsteil "Penzing" bereits durch die Ostkolonialisierung Karl des Großen entstanden ist. Namensgebend für dieses Wiener Penzing war der Ort Penzing bei Wasserburg, da um Wien und St. Pölten sehr viele Ortsnamen auf Chiemgauer Familien zurückgehen. Herzog Otakar, der Gründer des Klosters Tegernsee (aus dem Geschlecht der Huosi), hatte seinen Stammsitz in Otterkring am Chiemsee (auch bei Wien gibt es ein Otterkring; Anm.). Er wurde von Karl dem Großen zur Sicherung der Ostmark (=Österreich; Anm.) als Regierungskommissar eingesetzt und errang 788 einen Sieg über die Awaren (westasiatisches, kriegerisches Reitervolk) auf dem Ybbsfeld. Herzog Otakar wurde nun Inhaber der Grafschaft zwischen Enns und Wiener Wald. In seinem Umfeld befanden sich auch Mitglieder der Sippe des "Penzo aus Penzing" bei Wasserburg. Doch die Herrschaft in der Ostmark dauerte nicht allzu lange, denn bald eroberten die Awaren diesen Landstrich im heutigen Österreich wieder zurück.

845

Erste bekannte urkundliche Erwähnung des Namens "Penzo" in den Traditionen des Bischofs Erchanbertus von Freising (ebenfalls aus dem Geschlecht der Huosi) wegen einer Grundstücksstiftung. Ausstellungsort dieser Urkunde war Neuharting. Neuharting liegt ca. 25 km von "Penzing" (Kreis Rosenheim) und ca. 12 km von "Penzing" (Gemeinde Lengdorf, Kreis Erding) entfernt. Dieser Bischof Erchanbertus sicherte u. a. dem Bistum Freising einige Rechte an den Salinen in Bad Reichenhall.

948/955

Wenn man den Aufzeichnungen des mittelalterlichen Minnesängers Valentin Salomon von Fulda in seinem „Manuscript“ (...) „liebhabers teutscher poesie und genealogie, Etabl: zu Horb“ glauben darf, soll der erster Sproß und Namensgeber des Geschlechts der Ritter Benz von Au (bei Ulm), geboren um 890/900 nach Chr, gewesen sein, dessen Mutter eine geborene von Öpfingen war:

"Als im dem Jahre 948 unter Kaiser Ottone (...) zu Konstanz am Bodensee (...) ain turnier abgehalten worden, wobey auch des Benzen Herr gemelter Heinrich Herzog in Bayern erschien, war Benz auch mit Zugegen, Zeigte sich auch gleich derauf in einer schlacht wider die Hunnen, welche unter dem Nembl. Kaiser Ottne anno 954 mit grosser Macht des bayerlands überfallen, und zu Verheiren (=Besitz erlangen; Anm.) gesucht haben, nebst seinem Bruder Werner als ein tapferer Kriegsmann, zumahlen die Meiste(n) der Hunnen in den bach bey Augspurg sich ertrinket (=Schlacht am Lechfeld bei Augsburg im Jahre 955), die übrige aber mit der flucht gerettet haben."

"Benz war ein tapferer Kriegsmann. Indessen aber er dem großen Kriegszug wider die Ungläubigen (Schlacht am Lechfeld im Jahre 955, Anm.) unter Kaiser Heinrich dem Vogler und Hermann Herzog der Schwaben beywohnte, verheirathete sich sein Bruder Werner mit einer von Pirzinger und hielt zu Hause gute Wirtschaft. Als nun sein H(err) Bruder Benz nach Haus kam und die Wirtschaft in so gutem Stande fand, gefiel es ihm dergestalten, daß er gedachte, mit seinem Bruder auf dem adelich Gute in der Au (heute Wernau bei Ulm; Anm.) gemeinschaftlich zu leben. Alleine Rangstreit entzweyte sie gar bald; wo dann der jüngere Bruder Werner dem älteren dem Benzen den Vorschlag machte, ihm seinen Antheil hinauszubezahlen, so auch dieser sich gefallen ließ und darauf an den Hof Heinrichs Herzogens in Baiern und Nordgau zog, von welchem er ein gut (=das heutige Pienzenau in Landkreis Miesbach; Anm.) zur Belohnung seiner teuren Dienste erhalten, das er dann erbaut, und nach seinem namen Benzenau genannt. Er machte auch eine Änderung des Wappens. Denn auf den Helm setzte er eines Mannes Rumpf in weißer Kleidung mit einem schwarzen Krag(en), der auf dem Kopf eine mit drey Straußenfedern, schwarz, weiß, schwarz, bestandten weisen Hut mit einem schwarzen Stulp, in welchem drey goldenen Kugeln; das noch heut zu Tage das Wappen der H(err)n von Pienzenau ist.

Ersterer aber, welcher nunmehr der alleinige Besitzer des Gutes in der Au bey Ulm war, nannte es Werners Au, woraus der nahmen (=Name) Wernau (bzw. Werdnau; Anm.) entstanden, der nun bis auf irzige Zeiten diesem geschlechte eign geblieb. Werner starb endlich in einem Alter von 86 Jahre unter der Regierung des Kaisers Otto des zweyten."

Soweit die Gründungslegende der Geschlechter Pienzenau (Benzenau) und Wernau nach dem Minnesänger Valentin Salomon von Fulda. Doch brachte die Forschung (vgl. vor 1031) Hinweise, dass die Penz nicht von Schwaben nach Bayern, sondern wahrscheinlicher von Oberbayern nach Schwaben, in die Gegend um Ulm zogen. Interessant ist auch, dass sich noch 1625 Verbindungen der "wernauischen" Benz zu unseren Benz nachweisen lassen (vgl. 1625). Auch sind heute noch die Wappen der Geschlechter Pienzenau (Schreibweise in Oberbayern)/Benzenau (Schreibweise in Schwaben) und Wernau identisch und es besteht unter Historikern kein Zweifel, dass beide Geschlechter einen gemeinsamen Ursprung hatten. Wenn man den (etwas fragwürdigen) Ausführungen des Minnesängers Salomon Valentin von Fulda weiter glauben darf, liegt der Ursprung der Sippe auf der Insel Reichenau im Bodensee:

"Der 1te dieses geschlechtes der vermeldtes Manuscript anführet, hieß Eckart oder Eckert, und war in Diensten des H(err)n Abbtens (Eribold) in der Reichenau. Eribolds oder Erbolds, so der 10. Abbt besagten Closters war, erwählt im jahre 823 (Erlebald, war von 823 bis 838 der 10. Abt des Klosters Reichenau; Anm.).

Eckart der alte starb gegen das jahr 831; sein Sohn Eckart der junge war in dem nämlichen Dienste (Reichenau; Anm.); er starb gegen das jahr 833. Seine Gemahlin eine von Schrathofen (vermutlich Schratenhof bei Giengen a.d. Brenz; ca. 2 km südlich von Giengen liegt ein Benzenberg, auf dem "ein Burghügel mit Graben erhalten ist"; vgl. 11.-13 Jh. oder Schrattenhofen im Ries bei Harburg) aber gegen das jahr 834, nach dem Sie ihm einen Sohn gebohren im jahre 832. Eribold, oder Erbald, bei obbemeldter Abbt genannt, der sein Taufpath war, und sich bis zu seinem im Jahre 838 erfolgten tote seiner auferziehung ließ angelegen seyn, nach der zeit, als dieser Eribold erwachsen, machte ihn Volet oder Voltwin (Folkwin, Abt in Reichenau von 849 bis 858; Anm.), der 13. Abbt in der reichenau zu seinem Kämmerling; dessen nachfolger aber Waltherius belehnte ihn mit einem Hofe, der Hof uf (=auf) der Au genannt (=89155 Wernau - vor den Toren Ulms; Anm.), nicht weit von ulm; welchen er nach gehends nach dem Namen seines Sohnes, den ihn seine gemahlin eine von griesing gebahr, den Niklaus Hof nannte; er vermehrte auch sein Wappen, und wie es dermalen die von Wernau führn, setzte in den schwarzen quer balken 3 golden Kugeln, auf den Helm aber statt des huts einen halben mond, dessen in die höhe gekehrte zwey Hörner, jedes mit 3 straußen federn. Von denen zwo weis, die mittern schwarz bestrebt sind. Dieser Eribold starb 881; sein Sohn Nikolaus der ihn gebohren gegen das jahr 860 starb im jahre 932 und hinterließ von seiner gemahlin einer von Öpfingen 9 Kinder, von denen zween Söhne besonders zumerken; als Benz, und Werner, von welchen jener dem geschlechte von Benzenau (Pienzenau), dieser aber dem von Wernau den Namen und ursprung gegeben."

Sprachwissenschaftlich ist Pienzenau eine abgeleitete Form von Penzenau, Au eines Penz(o) bzw. Penz(o) von Au.

Interessant ist auch, dass das norddeutsche Rittergeschlecht "von Pentz", begütert in Mecklenburg, Pommern und Holstein bzw. im Rheinland und in Sachsen sich auch von dem bei Salomon Valentin von Fulda genannten Benz ableitet. So schreibt Hugo von Pentz in seinem "Album mecklenburgischer Güter" über seinen Familienursprung: "Ein Pentz im Gefolge von König Heinrich I., dem Vogler, bei der Belagerung der slawischen Burg Brennabor, der heutigen Stadt Brandenburg" im Jahre 927 genannt wird. Gemeinsames Wapperbild dieses Rittergeschlechts in Mecklenburg, Pommern, Holstein, Rheinland und Sachsen ist ein mit goldenen Pfennigen gepunkteter, stehender, roter Löwe. Dieses Wappenbild erscheint eigenartigerweise auch bei Benz in Rothenburg ob der Tauber (Landkreis Ansbach; Nachbarort von Feuchtwangen; vgl. 1517 und 1705) und bei den Benz in Basel/Schweiz. Siebmacher schreibt über dieses Wappenbild: „Die goldenen Flecken auf dem Löwen sind gewiss nur als Liebhaberei zu nehmen und könnten ebenso gut wegbleiben, wie z. B. auch die alten bayerischen Aham (=männliche Verwandte) ihren roten Löwen bald gefleckt bald ungefleckt zu führen pflegten. Dass der Pentz’sche Löwe aber gar „mit goldenen Pfennigen belegt“ sein solle, scheint mir zu viel verlangt und unerhaldisch zu sein“. Auch dieser Satz könnte auf bayerische Wurzeln dieses Geschlechts hinweisen. Außer in Rothenburg o.d. Tauber ist das Wappenbild dieser "norddeutschen" Pentz in Bayern, Österreich und in der Schweiz noch nirgends nachgewiesen. Im Gegensatz zu diesem Wappenbild hat das Vogtgeschlecht der Benz im schwäbischen Raum (vgl. 1625 und 1705) als Wappenbild im Wasser stehend Binsen (teils mit einer schwimmenden Ente).

Über diesen "Pentz im Gefolge von König Heinrich I." (identisch mit dem oben genannten Benz von Au) schreibt Salomon Valentin von Fulda:"Schon in dem Jahre 938, der von Kaiser Heinrich dem ersten, genannt Auceps (=der Vogler), zu Maidenburg (=Magdeburg) die Thurnier- und Ritter Spiehl, (...) erscheinen hirbey die Edlen von Wernau, und (...) Zwahr (...) fünf brüder sind nahmentlich Niclas, Erboldt, Ekart, Benz und Werner von Au. Zu dieser turniers zeit hat unter Alvio (=Abt Alawich I. von 934 bis 958), den 22(t)en abbt der Reichenau noch gelebt Nikolaus II. v. Au Conventual in hochem alter, dessen Vatter Nicolaus I. in dem grossen Röm. ReichsZug aus Sachsen wieder die unglaubigen unter obengemelten Kaiser Heinrich den Vogler, und Herzogen Hörmann von schwaben mit todt abgegangen. Bey dem Nambl. HerZug (=Schlacht am Lechfeld im Jahre 955) waar auch Zugegen sein bruder Benz v. Au, und wohnte bis zu dessen End bey, da entzwischen sich der fünft, und Jüngste bruder Werner mit einer v. Biezinger Vermählte und Benz v. Au als ein tapferer Kriegsmann in Hochem alter von seinen Zügen, und des Kaisers Sohns Heinrich Herzogs v. Sachsen und zu bayern geleisteten Hof dinsten in die Au zu seinem bruder Werner zurück kam, fand er selben zu seinem Vergnügen geEhelichet und so wohl in gebaü, als HausHaltung sehr Vortheilhaften Lage, welches Vergnügen er anfänglich mit seinem bruder theilen, da er aber des Ranges wegen uneinigkeiten erhoben sich ehender entschliessen wollte, seinen bruder Werner gegen anehmliche Bedingnisse und Verträge die Au abzutretten, und selben den alleinigen besiz zu überlassen, dahero es dann anfangs die Werners au geheißen sich seine Nachkomen von Wernau geschrieben."

955 - 970

Nachdem die Awaren Wien und somit auch das vorgelagerte "Penzing" erobert hatten, kam es 955 bei Augsburg zur sog. Schlacht am Lechfeld. Die bayerischen Herrscher eroberten ihre österreichischen Gebiete wieder zurück und begannen abermals mit der Kolonialisierung durch Chiemgauer Familien. Viele Chiemgauer Geschlechter beteiligten sich (wie bereits früher) an der Wiederbesiedlung des Landes zwischen Passau und Wien, nachdem dieses Gebiet wieder bayerisch geworden war. Diese Chiemgauer Geschlechter verwendeten häufig ihre heimatlichen Ortsnamen. So gibt es besonders um St. Pölten und westlich von Wien noch heute ca. 25 Ortsnamen, die auch im Chiemgau verbreitet sind. Drei dieser österreichischen Orte um St. Pölten und Wien haben den Namen "Penzing" und wurden von "Penzing" (Kreis Rosenheim) aus gegründet. Der heutige Wiener Stadtteil "Penzing" verdankt seinen Namen einem wehrhaften Freibauerngeschlecht aus dem Chiemgau (in den bayerischen Quellen findet man die Bezeichung "Ortsadelige"), das um Wien militärischen Anlagen errichten musste. Penzing hatte - nach Wiener Quellen - unter diesen Wehrbauernsiedlungen die Sonderaufgabe, die Straße nach Süden und die Furt durch den Fluss Wien zu sichern.

In unmittelberer Nähe (ca. 20 km) des Wiener Ortsteils "Penzing" gibt es in der heutigen Gemeinde Sieghartskirchen (Gründung eines Mitglieds aus dem Chiemgauer Grafengeschlecht der Sieghartinger; vgl. unten) noch einen weiteren Ort "Penzing". Auch hier soll es sich um ein sehr frühes Siedlungsgebiet handeln.

Durch die verschiedenen frühzeitlichen Urkunden lässt sich innerhalb der nächsten Jahrhunderte eine Ausbreitung des Familiennamens Penz vom Chiemgau aus innerhalb Bayerns, nach Österreich, nach (Süd-)Tirol und ins heutige Baden-Württemberg nachweisen.

11.-13. Jh.

Besonders im Machtbereich der Grafen von Sulzbach (Gründer des Klosters Berchtesgaden bei Reichenhall) fand man ab dem 12. Jahrhundert die Penz als Rodungs- und Bergbauleute in vielen Gebieten des heutigen Bayerns (so z.B. auch in der Oberpfalz und in Oberfranken). Dass Sulzbach (ehemals Stammsitz der Grafen von Sulzbach bzw. von Hirschberg) auch sein sehr altes Bergbaugebiet ist, beweist schon der Titel des 1999 veröffentlichen Heimatbuches: "Eisenerz und Morgenglanz - Geschichte der Stadt Sulzbach - Rosenberg". Eine genaue Aufstellung über die Benzorte in diesem Gebiet liefert die Seite mit den Benz-/Penzorten in Bayern. Auffällig ist, dass neben der "Rodungstätigkeit" die Benz/Penz vermehrt sehr früh in Orten mit Salzgewinnung bzw. Salzhandel (z. B. Reichenhall, aber auch im Gebiet um Schwäbisch Hall) und in Orten mit Bergbau (z.B. Gebiet um Kitzbühel, um Sterzing/Gossensass in Südtirol, im Zillertal in Tirol, um Sulzbach in der Oberpfalz, Pfraunfeld im Bistum Eichstätt und ab der Stauferzeit auch im Brenztal in Württemberg) anzutreffen sind. Dies lässt den Schluss zu, dass die ersten Benz/Penz verstärkt eine Art von frühmittelalterlichen Ingenieuren waren.

Interessant für unsere Familie ist auch die Tatsache, dass eine Salzsolequelle und ein Schöpfgalgen in Bad Reichenhall im 12. und 13. Jahrundert (um 1125 bis ca. 1595) als "Penzinger" (=bei den Leuten des Penz) beurkundet ist. Diese Salzquelle muss eine Besonderheit dargestellt haben, da sie in den Verzeichnissen der Reichenhaller Salzquellen aus dem 12. und 13. Jahrhundert stets an erster Stelle genannt wird. Warum die Quelle "Penzinger" diese Stellung inne hatte, ist bis jetzt noch nicht erforscht (geographische Auflistung, Bedeutung?).

Namensgebend für diese Quelle war höchst wahrscheinlich das Geschlecht "derer von Penzing" bzw. der "Penzinger" bei Wasserburg. Zu den Aufgaben eines sog. Hallgrafen in Reichenhall zählte hauptsächlich die Aufsicht und die Gerichtsbarkeit über die Salinen in Reichenhall sowie der Schutz der Salzstraßen. Dieses Hallgrafenamt war im 12. und 13. Jahrhundert in Besitz der Grafen von Wasserburg, die man weit öfter in der Gegend um Salzburg-Reichenhall antraf als in Wasserburg. Der erste Reichenhaller Hallgraf aus diesen Geschlecht war Engelbert von Wasserburg (gest. 1161) ein Nachkomme der Grafen von Andechs. Seine Mutter war Adelheid von Sulzbach, eine Tochter des Grafen Gebhard I. von Sulzbach. Verheiratet war Hallgraf Engelbert von Wasserburg mit Richgard einer Tochter des Grafen Engelbert aus dem Sighardinger Geschlecht.

Wanderwitz schreibt in seiner Dissertation "Studien zum Mittelalterlichen Salzwesen in Bayern", dass, "soweit sich dies noch festellen lässt, (der) Andechser Besitz (und damit eigentlich der Besitz der Wasserburger Linie; Anm.) in Reichenhall an Ministerialen vergabt" war. Ministerialen dieser Grafen von Wasserburg waren u. a. " die Penzinger" (Hist. Atlas Wasserburg, Seite 81). Fast zeitgleich mit dem Auftreten der Wasserburger Hallgrafen in Reichenhall erscheint auch der Solename Penzinger in Reichenhall.

Der Historische Atlas von Wasserburg berichtet über die Penzinger (S. 109): „Von den östlich des Inns sitzenden Wasserburger Ministerialen gelang des den Schonstettern, Laimingern und Penzingern (...) dauerhaft Herrschaften zu bilden . „Penzing grenzte (direkt) an den Burgfried von Wasserburg“ (Hist. Atlas Wasserburg, S. 307). Mit dem Verschwinden der Wasserburger als Hallgrafen von Reichenhall verschwindet auch fast zeitgleich wieder der Name Penzinger aus den meisten Urkunden in Reichenhall. Er bleibt nur noch in den Urkunden der Wittelsbacher bis ca. 1595 erhalten. Letzter Hallgraf in Reichenhall war Graf Konrad von Wasserburg, der mit Kunigunde, der Tochter des Grafen Gebhard von Hirschberg und Witwe des letzten Grafen von Bogen (dortige Ministerialen waren u.a. die Penzkofer!), verheiratet war. Vielleicht kam über diese Verbindung ein erster Kontakt der Benz mit den Herrschern im Altmühltal zustande, da der verstorbene Kreisheimatpfleger August Hacker aus Herrieden die Benz im mittleren und unteren Altmühltal als Ministerialen der Grafen von Hirschberg (bei Beilngries an der Altmühl, Kreis Eichstätt) bezeichnet hat. Die Quelle zu dieser Aussage konnte bis heute noch nicht gefunden werden.

Tatsächlich findet man die Benz im Altmühltal sehr früh im Dienst (z.B. als Hofräte) der Schenken von Geyern, die ihrerseits ursprünglich das Mundschenkenamt bei den Grafen von Hirschberg inne hatten. Der bisher erste gesicherte Benz im Umfeld der Schenken von Geyern ist Wolf Pentz, der nach 1460 und vor 1506 in Pfraunfeld (dort befindet sich das einzige Untertage-Erzbergwerk des Bistums Eichstätt!) saß. Vermutlich kam dieser Wolf Pentz wegen des Bergbaus nach Pfraunfeld und wurde so zum Gründervater der Benz im Altmühltal. Später besaß Wolf Pentz im Gebiet um Pfraunfeld einige Maierhofe.

Zur Zeit der Stauferkönige findet man die Benz erstmals in Urkunden im heute württembergisch-bayerischen Grenzraum. Wegen der oben genannten Zusammenhänger kamen die Benz vermutlich um diese Zeit aus dem südlichen Oberbayern und Tirol in die Reichsstadt Ulm und auch in das nördlich gelegene Brenztal auf der Schwäbischen Alb (heute Grenzgebiet zwischen Bayern und Württemberg). Besonders im Umfeld der Schenken von Stauffenberg, die im Grenzgebiet zwischen Bayern und Württemberg begütert waren - findet man nun die Benz. So nennt z. B. Conz der Schenk von Stauffenberg im Jahre 1368 einen Benz von Ow (=Au) seinen Ohm (=Oheim, Onkel) oder Hans Schenk von Stauffenberg war mit der Tochter Adelheid des Benz von Ow (Au) verheiratet. Vorfahre dieses Benz von Au war u. a. ein Marquard von Ehingen. Auch der Name Marquard lässt eine Beziehung ins südliche Oberbayern vermuten (vgl. z. B. Marquartstein, zu dessen Gericht die Benzmühle von Reit im Winkl gehörte).

Dort im bayerisch-württembergischen Grenzgebiet wurde im frühen Mittelalter massiv Erzgewinnung betrieben. Südlich von Giengen a. d. Brenz lag - laut archäologischen Ausgrabungen - auf dem sog. Benzenberg eine Burg, über deren Geschichte leider nichts bekannt ist (nur "ein Burghügel mit Graben ist erhalten"). Es könnte sich aber um einen Verwaltungssitz der Benz in diesem Gebiet gehandelt haben, da die Benz im württenbergisch-fränkischen Grenzgebiet auch als Vögte erscheinen. Der augenblichlich erste bekannte Vorfahre der Vögte im heute bayerisch-württembergischen Grenzgebiet nannte sich selbst „Egidi Benz von Ulm“.

Im 15. Jahrhundert waren im Brenztal (knapp 10 km südlich von dieser Burg auf dem Benzenberg) auch die Schenken von Geyern (eng verwandt zu den Schenken von Stauffenberg) begütert. So verkaufte am 14.Oktober 1455 Wilhelm Schenk von Geyern zu Oberstotzingen "das halbe Gericht, die Weintäfer und zwei Sölden nebst anderen Rechten zu Tomerdingen". In den Urkunden des Klosters Elchingen bei Ulm erscheint am 3. Oktober 1709 ein Leibgedingsbrief für Jörg Mayer in "Tomertingen" für ein Hof- und Lehengut. Dieser Hof in Tomerdingen hatte auch Grundstücke "bei der Benzgrube". Die Martinskirche in Tomerdingen soll eine der ältesten Kirchen Süddeutschlands sein (8. Jh.) und auf eine Stiftung der Karolinger zurückgehen. Zum ehemaligen Gericht Oberstotzingen gehörte auch Niederstotzingen. Der dortige Baron Carl Ludwig von Stein zu Rietheim im Moos und Niederstotzingen war in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts der Taufpater der Kinder des Pfarrers Johann Jakob Benz von Sontheim a. d. Brenz, gebürtig von der Benzmühle in Aufhausen bei Heidenheim a. d. Brenz. Dort in Niederstotzingen fand man auch ein Fürstengrab aus dem 7. Jahrhundert, dass einen der ältesten Lamellenharnisch aus Eisen in Süddeutschland enthielt.

1514 besaß der oben genannte "Wolf Penntz" von Pfraunfeld den Pöllenhof in Raitenbuch zu einem Drittel. Er hatten - zusammen mit seinen Miteigentümern - einen Rechtsstreit gegen seinen Lehensnehmer, einen gewissen "Lauercontz" (=Konrad Lauer?), da dieser seine Lehensschulden nicht bezahlen wollte. In diesem Streit wird der Pöllenhof als „predium allodium“ bezeichnet. Dies kennzeichnet einen stark befestigten Maierhof (burgähnlich) dessen Eigentümer darüber frei verfügen konnten. In diesem Streit wird der Pöllenhof als „predium allodium“ bezeichnet. Dies kennzeichnet einen stark befestigten Maierhof (burgähnlich) dessen Eigentümer darüber frei verfügen konnten. Ursprünglich bekam diesen Pöllenhof im 13. Jahrhundert Graf Gebhard von Hirschberg als Lehen der staufischen Kaiser für die Reichspflege in diesem Gebiet. Der Besitz des Hofes war so umfangreiche, dass seine zwei Ausbrüche ("Hacknerhof“ und „Rußbauer“) ebenfalls neue Maierhöfe (1/1-Höfe) bilden konnten (normalerweise entstanden durch einen Ausbruch zwei 1/2-Höfe). Bereits 867 ist belegt, dass Kaiser Ludwig der Deutsche diesen Pöllenhof an das Kloster Metten an der Donau schenkte. Am 9. Oktober 1407 bestätigte der Bischof Johannes von Regensburg noch einmal, dass er keine Rechte (mehr) aus der Urkunde vom 14. Juni 867 besitzt.

Da es sich bei dem Pöllenhof um einen Maierhof handelte, werden die nachfolgenden Generationen des "Lauercontz" nun "Lauermaier" genannt.

1539 ist Mit-Eigentümer dieses Pöllenhof Linhard Pentz, der Sohn des Wolf Pentz. Bewirtschaftet wird der Hof weiter vom Geschlecht der Lauermaier. In Greding gab es auch Schenk von Geyernsche Lehensgüter (z. B. die Seelwiese), die sich die Familien Benz und die Lauermaier teilten. Auch in Reit im Winkl gibt es eine Beziehung Benz - Pöll/Poll. Die Poll betrieben dort eine Schmiede in unmittelbarer Nähe zur Benzmühle. Auffällig ist, dass die Benz im 16./17. Jahrhundert auf sehr vielen Maierhöfen im Gebiet um Greding, Nennslingen und Titting sitzen. Ob dies alles Besitz des Wolf Penz bzw. seiner Nachkommen war, ist noch unerforscht, aber wahrscheinich. So erscheint z. B. ein Pentz im Jahre 1497 in Biburg bei Nennslingen. Dieser Pentz, mit großer Wahrscheinlichkeit der Vater des oben genannten Wolf Pentz, saß auf der kaiserlichen "curia". Als 1305 die Grafen von Hirschberg ausstarben, übergab der Kaiser das Gebiet der ehemaligen Grafschaft Hirschberg größtenteils an die Bischöfe von Eichstätt. Nur ein paar markante Anwesen hielt er zurück. So kam das ganze Dorf Biburg als Lehen an die Bischöfe von Eichstätt, nur der Verwaltungssitz, die curia, unterstand dem Kaiser noch direkt. Für ihre Tätigkeiten hatten die Penz sogar das Privileg der Steuerfreiheit. Per 21. Januar 1558 hob der Kaiser persönlich diese Steuerbefreiung für den Pentz auf, nachdem zuvor seine kaiserlichen Gerichte diese immer wieder bestätigt hatten.

Pyburg (=Biburg)

It(em) Pentz de curia VI l(i)b(ras) zins Michael(is) al(s)
weisat VI cas(eos), X herbsthuner, I pull(um) vast(um)
et de (h)orto XII d(e)n(arios) zins Michael(is).

Der Pentz aus Biburg musste also für den kaiserlichen Verwaltungssitz (=curia) jeweils an St. Michael (=29. September) einen Zins von 6 Pfund und als Weisat (=freiwillige, dem Grundherren Ehre erweisende Abgabe bei dessen Amtsantritt) 6 Stück Käse, 10 Herbsthühner und 1 Fastnachtshuhn geben und für den Garten zusätzlich noch an St. Michael einen Zins von 12 Pfennigen geben. Ansonsten ist im Reichssteuerregister von 1497 über die Bewohner der curia in "Piburg" vermerkt: (...) "raissen und steurn nit".

(Auszug aus dem Reichssteuerregister, die sog. Türkensteuer betreffen; eine Art Sondersteuer wegen der Türkenangriffe)

Vor 1450 ist mir augenblicklich (noch) kein Benz im Altmühltal bekannt.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass es zu Beginn des 15. Jahrhunderts eine Ehe zwischen Elisabeth, Schenkin von Geyern und Halmeran von Haßlang, Pfleger in Arnsberg bei Kipfenberg (Kreis Eichstätt) gab. Das Geschlecht der Haslang/Haßlang spielte nämlich als Pfleger auch in der Geschichte Reichenhalls keine unbedeutende Rolle (vgl. unten) und war Anteilseigner der Salzsole "Penzinger".

Die oben genannte Salzsole in Reichenhall dürfte auch deshalb für unsere Familie eine besondere Bedeutung gespielt haben (vgl. ca. 1188 -1300), da zwischen Reichenhall und Reit im Winkl im 12./13. Jahrhundert eine sehr enge Beziehung bestand. So wurde dem Reichenhaller Kloster St. Zeno (dessen Stifter Erzbischof Konrad I. von Salzburg aus dem Geschlecht der Grafen von Abenberg bei Hilpoltstein stammte; vgl. 1095) im Jahre 1197 die Pfarrei Kirchdorf in Tirol mit ihren Filialkirchen (hierzu gehörte auch Reit im Winkl) geschenkt. Dieses Kloster St. Zeno in Bad Reichenhall hatte zum einen Anteil an den Salzquellen (z. B. am Penzinger) und benötigte deshalb viel Holz, zum anderen war die Pfarrei Reit im Winkl in das Reichenhaller Kloster "inkorporiert" (=einverleibt). So könnten die Penz von der Salzquelle Reichenhall nach Reit im Winkl gekommen sein (bereits um 1330 werden in Reit im Winkl ein "Bentzenvelder" und die "Chnogelstat" (=Anwesen der Knogler) genannt; vgl. 1330). Noch 1531 erscheinen die Penz von Reit im Winkl in den Zehenteinkünften des Klosters St. Zeno (vgl. 1531). Das Kloster St. Zeno hatte einen 2/9-Anteil am Schöpfgalgen "Penzinger". Um 1230 übergab Graf Konrad von Plain - als er auf den Kreuzzug ging - "einige Wasser" (darunter "2/9 in galgo Penzingere") an das Kloster St. Zeno, "wofür die dortigen Brüder seiner dauend im Gebet und bei anderen guten Werken zu gedenken haben."

Wie es scheint, war die Quelle "Penzinger" im Mittelalter in Händen mehrerer Personen bzw. Institutionen (jeweils 1/9 oder 2/9-Anteile). Bisher konnten folgende Besitzer ermittelt werden:

1/9
Kloster St. Peter in Salzburg
belegt um ca. 1150 als "Penzingere"; 1361 nutzen diesen Anteil die Haslanger, noch kurz vor 1600 hat das Kloster St. Peter 2/9 am "Pentzinger"
1/9
Stift Neustift bei Freising
belegt ab ca. 1190 als "Penzingare".
2/9
Grafen von Plain bzw. Kloster St. Zeno
um 1230 übergab Graf Konrad von Plain, als er auf den Kreuzug ging, einen 2/9-Anteil am "Penzingere" an das Kloster St. Zeno von Reichenhall
1/9 die Wittelsbacher (bis 1505 die Herzöge von Landshut/Niederbayern, ab 1505 die Herzöge von München) belegt ab 1235 als "penzingarre"; ab ca. 1600 hatten dann die Wittelsbacher alle anderen Anteile auf sich vereinigt. Die Quelle gehörte nun vollständig ihnen.
2/9
Stift St. Nikola bei Passau

belegt ab 1272 als "Pentzinger"; ab 1429 an die Brüder Kaspar, Asam und Georg Haslang übertragen, 1494 geht dieser Anteil an den wittelsbacher Herzog Georg dem Reichen von Landshut

2/9
???
den fehlenden 2/9-Anteil konnte ich noch nicht ausfindig machen
1075 (ca.)

Chiemgaugraf Marquard (aus dem Geschlecht der Sieghartinger, in deren Umfeld der Name "Penz" im 11. und 12. Jahrhundert besonders häufig vorkommt) baute um das Jahr 1075 eine neue, größere Burg auf einem vorspringenden Felsen im Achental und gab ihr den Namen Marquartstein. Seine Witwe Adelheid heiratete in dritter Ehe um 1100 den Grafen Berengar II. von Sulzbach. Beide gelten als Gründer des Klosters Berchtesgaden. Durch diese Hochzeit kamen die Sulzbacher auf Schloss Marquartstein und in den Chiemgau. Die Burg Marquartstein wurde einer der Ministerialensitze der Grafen von Sulzbach im Tal der Tiroler Ache (neben Egernbach und Mettenham). Die Grafen von Sulzbach hatten viele Besitztümer im Chiemgau, da im Passivlehenverzeichnis der Grafen von Falkenstein aus dem Jahre 1166 erwähnt ist, dass Siboto von Falkenstein 400 Bauernhöfe von Gebhard von Sulzbach als Lehen inne hatte. Adelheids Tochter Utta von Pütten-Passau (aus zweiter Ehe) war vermählt mit dem Grafen Engelbert II. von Kraiburg-Ortenburg und gebar diesem vier Söhne. Die Grafen von Ortenburg und Kraiburg waren damals eines der mächtigsten und vermögendsten Geschlechter in Bayern. Die Ortenburger gewannen durch die Heirat Engelberts II. mit Utta von Pütten-Passau großen Einfluß im Chiemgau. Mit der Übernahme der Vogteirechte über Marquartstein wurde sie nun die neuen Herren über das Achental. Sein Sohn Engelbert III. war ebenfalls sehr begütert. 1133 übernahm er das Amt des Vogtes über das Grassauer Tal (Achental) von seinem Vater. Daneben war er auch noch Vogt über das Leukental in Tirol und Vogt des Klosters Baumburg. Seine Ehe mit Mechtild von Sulzbach blieb allerdings ohne Nachkommen.

Um diese Zeit (ca. 1130) ließ sich auch eine Seitenlinie der Sieghartinger, die Grafen von Peilstein (mit Stammsitz auf dem Karlstein bei Bad Reichenhall) im Gebiet um Hilpoltstein, Thalmässing, Greding (vgl. 1567) und Freystadt (alle Bistum Eichstätt) nieder. Diese Sieghartinger wurden in der neuen Heimat Reichsministerialen und nannten sich u.a. "Herren von (Hilpolt-)Stein". Ab ca. 1135 stifteten sie sehr viele Güter aus der neuen Heimat an das Kloster in Berchtesgaden (ca. 15 km Luftlinie von Bad Reichenhall entfernt). So kamen im 12. Jahrhundert ca. 20 Ortschaften um Greding und Thalmässing an das Stift Bechtesgaden. Noch heute ist das Stadtwappen von Gredings Nachbarort Freystadt i.d. Opf. (gegründet von den Herren von Hilpoltstein) identisch mit dem ehemaligen Wappen der Grafen von Peilstein aus dem Geschlecht der Sieghartinger.

Uta von Peilstein, Tochter des Grafen Konrad von Peilstein (vgl. 1567) war um 1160 verheiratet mit dem Grafen Liutpolt von Plain (ebenfalls mit Stammsitz in Reichenhall und Anteilseigner an der Sole "Penzinger"; vgl. 11. - 13. Jh.). Interessanterweise gab es in Reichenhall noch eine Burg Staufeneck, auf der zunächst das Geschlecht der "von Peilstein", später das Geschlecht der königlichen Reichspfleger "von Plain" (Reichsministerialen zum Schutz der Sudstätten, Salzquellen und des Salztransportes und spätere Vögte des Klosters Berchtesgaden) saß. Auch im Gebiet von Thalmässing gab es eine Reichsburg Stauf und bei Giengen a. d. Brenz gibt es ein Dorf Staufen mit Bohnerzgruben. Das Geschlecht derer "von Stauf" bei Thalmässing erschien ebenfalls erstmals um 1130. Um diese Zeit (1140/50) stiftete Konrad von Stauf (bei Thalmässing) einen Teil seines Besitzes an die Probstei Berchtesgaden.

Zur selben Zeit wurden auch die Grafen von Wasserburg als "Hallgrafen" in Reichenhall genannt. Ministeriale der "Hallgrafen" aus Wasserburg waren - wie bereits oben erwähnt - zu dieser Zeit u.a. die "Penzinger" aus dem Wasserburger Nachbarort "Penzing".

1188 - 1300

Im Jahre 1188 starben die Grafen von Sulzbach (Nachfolger als Vögte des Klosters Berchtesgaden wurden die Grafen von Plain) aus. Ihr weltlicher Besitz fiel an die Schwiegersöhne, die Grafen von Ortenburg bzw. die Grafen von Hirschberg (Stammburg ca. 7 km von Greding entfernt; vgl. 1567). Die Ortenburger übergaben ihren Besitz im Chiemgau nach und nach an die Wittelsbacher. Da die "Penz/Benz" häufig im Umfeld der oben genannten Grafenfamilien (Sieghartinger, Sulzbacher und Ortenburger) erschienen, dürften sie wohl vor 1200 in das Gebiet um Reit im Winkl gekommen sein. Vermutlich waren sie an der Rodung und Besiedlung des Tales südlicher der Lofer maßgeblich beteiligt (vgl. auch die Bezeichnung "Bentzenvelder" um 1330 bzw. den Eintrag 1474, aus dem hervorgeht, dass der Penz "dauerbar Erbrecht" auf den Anwesen südlich der Lofer hatte). So gibt es noch heute 15 Orte in Bayern und Österreich mit Benz-/Penz- beginnen und im Einflussbereich der Sulzbacher lagen (vgl. Benz-/Penzorte in Bayern und Österreich).

Höchst wahrscheinlich dürfte der hohe Holzbedarf für die Salzsolen im Gebiet um Bad Reichenhall (später auch Traunstein) eine Rolle gespielt haben. So wurde - laut dem Reit im Winkler Heimatbuch - im Mittelalter das nötige Holz für diese Solen bis aus Inzell, Miesenbach, Ruhpolding, "Reut im Winkel" (bzw. nach anderer Quelle im Buch "Reiterwinkel"), Grassau, Bergen, Marquartstein, Piesenhausen usw. geholt und auf den Flussläufen nach Reichenhall transportiert. Da es in Bad Reichenhall eine Salzsole mit der Bezeichnung "Penzinger" (vgl. oben) gab, wäre eine Beziehung zur späteren Penzmühle in Reit im Winkl durchaus denkbar, zumal diese später als Sägmühle belegt ist.

Für diese Annahme spricht auch, dass die Saline Bad Reichenhall Holz aus dem "Reiter Winkel" bezog. So wurden z.B. auf der "Hemersuppen in Reit im Winkl Veichten, Tennen und Puechholz (=Fichten, Tannen und Buchenholz)" für die Saline in Reichenhall geschlagen. Dort auf der Hemmersuppen befindet sich noch heute der "Penzkaser". Für den Holztransport nach Reichenhall ergab sich allerdings ein Problem. Das Holz der Hemmersuppen wurde über den Lahnergraben und den Klausbach (von Klause = Staustufe für eine Holztrift) zum Seegatterl transportiert. Beim Seegatterl befindet sich eine Wasserscheide mit geringer Höhenüberwindung. Die Flüsse Dürnbach und Schwarzlofer fließen nach Westen in Richtung Reit im Winkl und Kössen/Tirol. Somit waren diese beiden Flüsse für den Holztransport nach Reichenhall ungeeignet. Für den Transport des Holzes nach Reichenhall errichtet man deshalb in der Nähe des Seegatterls (der Name kommt vom Gatter/Zaun am See) drei künstliche Seen; den Weitsee, den Mittersee und den Lödensee. In diesen Seen lagerte man das Holz. Durch Öffnen der Stauseen wurde dann das Holz - per Wasserkraft - nach Reichenhall getriftet. Diese ungünstige Triftlage führte aber 1597/99 zum sog. Wechselbrief bzw. Wechsellibell (vgl. 1612). Das Reit im Winkler Holz triftete man ab diesem Zeitpungt nach Kössen/Tirol ins dortige Hüttenwerk, Reichenhall erhielt im Gegenzug Holz aus Tirol und Salzburg. Noch 1748/49 gehörte die "Almbsgerechtigkeiten auf der Löden" (am Lödensee) Familien, die mit den Penz in engen (verwandtschaftlichen) Beziehungen standen: Blasy Wimmer am Gastag (vgl. 1330: Gasteig war früher Penzbesitz), Hannß Pfändl, Knogler (ab 1330 wird Knogler immer wieder erwähnt), Joseph Lehrberger (vgl. 1688: Hans Penz heiratete eine Ursula Lehrberger), Ruepp Durchner und Hans Wimmer zu Ilmau (vgl. 1474: Knogler sitzen auf Ilmau), Georg Pfändl vom Bayr (=Ausbruch vom Wildhölzl-Anwesen; vgl. 1637), Balthasar Steinpacher zum Steinbacher (vgl. 1474) usw.

Auch von der Winkelmoosalm, deren nördlicher Abstieg am Seegatterl bzw. an den drei Seen endet, wurde Holz nach Reichenhall transportiert. Dieses Holz wurde über die sog. "Muckklause", die sich bereits auf salzburgischem Hoheitsgebiet befindet, nach Süden getriftet. So schreibt Alfrons Egger in seinen "Alm-, Flur, Gewässer-, Orts- und Straßennamen (...) von Reit im Winkl" über die "Muckklause": "Diese Klause, in der das Wasser des Unkenbaches und Möserer Clausbaches (1584 gehörte die "Mößter"-Wiese noch der Familie "Pentz"; vgl. 1584) für die Holztrift zur Saline in Reichenhall gestaut wurde, düfte mit der Bezeichung Muckklause unter den besonderen Schutz des Brückenheiligen (Nepomuk) gestellt worden sein". Dort bei der Möseralm am Scheibelberg (südlich der Winkelmoosalm) treffen die drei Länder Bayern, Tirol und Salzburg zusammen.

1330 (ca.)

Um dieses Zeit steuerte in "Entpachs" bei Reit im Winkl (dem heutigen Embach bei Kössen in Tirol, nur wenige hundert Meter von der bayerischen Grenze bei Reit im Winkl entfernt) ein "Bentzenvelder" an die Wittelsbacher "1 pfunt" an "Guelt", deren Besitz "da gehoernt zu Marquartstayn, Hohenstayn undt Grazzautal (=Grassautal)". Dies dürfte wohl bedeuten, dass das Geschlecht der Penz/Benz bereits um diese Zeit im Gebiet um Reit im Winkl ansässig war. "Bentzenveld" könnte aber auf einen Holzeinschlagplatz hinweisen, da die Reichenhaller ihre Sudwälder als "Holzfelder" bezeichnet haben.

Benzenfelder von Entbach

Auch der Bergname "Penzing" im benachbarten St. Johann in Tirol spricht für eine Nutzung als Holzeinschlagplatz. So spricht Götz von Bülow in seinem Buch: Die Sudwälder von Reichenhall, davon, dass dieser Berg zum erweiterten Holzeinschlageplatz der Saline in Reichenhall gehörte. Daneben könnte auf dem Penzing auch Holz für Metallgewinnung (Kupfer) im Raum Kitzbühel geschlagen worden sein. So wird in der Hüttengeschichte von Kitzbühel erwähnt, dass am 18. September 1515 ein Jörg Penntzinger begehrte und erhielt "ain altn verlegnen hutschlag (= Schmelzhütte), di schlakhn und kraetz (Schlacken und Krätz sind Abfallprodukte der Verhüttung; Anm.) aufzuwaschn neben dem altn kalchoeffn (auch Kalkofen brauchten Holz!), da jez ain hamer (Hammerwerk) stet, in Stokheraw (heute Stockerdörfl bei Kitzbühel)". Ein paar Jahre früher erhielt am 28. April 1490 ein Martein Pencz "ain grueben, ain neuen schurf in ain freis feld (=freies Feld) ob Aurach untter der Purgk" und wenige Tage später, am 4. Mai 1490 empfing Hans Gäch "ain grueben, ain neuen schür(f) zwischen Aurach und der Pürg am Goltpichl (heute der Hof Bachern in der Burgau; auf halber Strecke ca. 1,5 km östlich der Bundesstraße zwischen Kitzbühel und Aurach) ausserhalb der Ma(r)tein Penczen gerechtigkeit".

Deshalb dürfte m. E. auf diesem Penzing-Bergrücken Holz geschlagen worden sein, da auch dieses "Penzing" der einzige Penzing-Ort auf einem Berg ist. Normalerweise sind "-ing"-Orte als früheste Siedlungen am Wasser. Heute ist der "Penzing" oder "Bauernpenzing" ein Skiberg mit einem Achtersessellift im Bereich des Kitzbühler Horns. Interessanterweise gibt es in der Nähe von St. Johann in Tirol noch eine "Gröding"-Alm (vgl. 1567, Greding). Zwischen dem Berg "Penzing" und Reit im Winkl liegt ziemlich genau in der Mitte der Pillersee. Auch dort wurden bereits 1368 Reichenhaller Holzrechte verkauft: "Ortolf Taechinger und sein Bruder Thomas, Bürger zu Reichenhall, verkaufen an Laurentz den Slunt, Richter zu Kitzbühel, ihre Rechte in dem "Pylerse, Chitzpüchler Gerichts" (=Pillersee, Kitzbüheler Gerichts) , (ihre Rechte) an Wäldern und Holzwerken." Hier ist wieder interessant, dass Taching am See (Kreis Traunstein) im 12. Jahrhundert ein Ministerialensitz der Grafen von Sulzbach war. In den Traditionen des Klosters Baumburg ist erwähnt: "Chounradus nomine de Taechingen" (...) "ministerialis comitis Gebehardi de Sulzpach".

Im Jahre 1381 ist in Reichenhall ein Niclas der Penzil als Pfleger belegt. Nachfolger des Niclas Penzil als Pfleger war um 1382/85 Hans Frauenberger zu Prunn, der seinen Stammsitz Burg Prunn im Altmühltal (bei Riedenburg) hatte. 1414 wird als Pfleger von Reichenhall ein Georg der Chlosner genannt. Das Geschlecht der Closner/Clasner ist auch 1581 im "Register der Pfarr Greding, Jährlichs Einkhommen an zünß, gült, zehendten" genannt. Dort findet man auf Seite 3 den Georg Clasner und direkt darunter Michael Benzet und Johann Benzet. Später (erstmals 1419) erscheinen als Pfleger von Reichenhall u. a. die Haslang mit Sitz auf Burg Karlstein, die seit 1429 auch 2/9 an der Penzinger-Quelle als Zinslehen des Stifts St. Nikola in Passau inne hatten und aus deren Geschlecht verschiedene Pfleger im Bistum Eichstätt (z. B. Arnsberg bei Kipfenberg, Breitenbrunn) hervorgingen. So war - wie oben bereits erwähnt - nach 1400 ein Halmeran von Haßlang, Pfleger von Arnsberg im Altmühltal, mit einer Elisabeth, Schenkin von Geyern, verheiratet. Ab dem späten 14. Jahrhundert war die Burg Arnsberg in Besitz der Frauenberger. Die Benz in Greding/Altmühltal waren ihrerseits wieder Schenk von Geyernsche Lehensleute. Dies alles lässt vermuten, dass sich die "Verwalterfamilien" von Reichenhall irgendwann auch nach Norden in das Altmühltal orientiert haben. Ursache hierfür könnten auch die Herren von Höbing (heute Ortsteil von Greding/Altmühltal) gewesen sein, die zu den Ministerialen der Grafen von Sulzbach gehörten und des öfteren Schenkungen an das Kloster Berchtesgaden machten. Teilweise sind die Herren von Höbing auch in Reichenhaller Urkunden genannt.

In einem anderen Reichenhaller Waldverkaufsvertrag aus dem selben Jahre 1381, als Niclas Penzil Pfleger von Reichenhall war, erscheint als Tädings- und Siegelbittzeuge ein Erasmus der Chnoglaer (=Knogler; zu Knogler vgl. 1637).

Die Familien Benz und Knogler dürften wohl auch zu den Urfamilien Reit im Winkls gezählt haben. Beide erscheinen - wie oben bereits angedeutet - im Urbar aus dem Jahr 1330. Interessant ist hierbei auch die Lage der Anwesen. Der Knogler bildet noch heute den geographischen (und politischen) Mittelpunkt von Reit im Winkl. Das Anwesen dient heute als Rathaus. Fährt man von Oberaudorf über Kössen nach Reit im Winkl, so endet die Bundesstraße direkt vor dem Knogler-Anwesen (heute gibt es einen Kreisverkehr um das Anwesen!). Außerdem ist der Knogler des einzige Gebäude in Reit im Winkl, dessen Wohnteil sich nach Westen ausrichtet. "Möglicherweise diente der Knogler noch vor dem Bau der Kirche als Merkzeichen für den aus westlicher Richtung in den Ort kommenden Besucher. Damit ließe sich der direkt auf das Gebäude gerichtete Wegeverlauf erklären." (Heiler, 1987, 38f.). Außerdem heißt die höchste Erhebung in Reit im Winkl (ein Moränenhügel) noch heute "Knoglerleiten", obwohl das Geschlecht Knogler bereits im 16. Jahrhundert in Reit im Winkl ausstarb. Auch dies deutet auf eine frühe Namensgebung hin. Ähnliches gilt für die Knogler-Alm, die heute noch auf dem Nattersberg (zwischen Hemmersuppen und Seegatterl ! ) in Reit im Winkl existiert.

Fast identisches gilt für den "Penz" im Reit im Winkler Ortsteil Blindau. In Blindau (ca. 1 km vom Zentrum entfernt, südlich der Lofer) herrschten ursprünglich Einzelhöfe aus der frühsten Besiedlungszeit vor. Der "Penz" ist der einzige Hof, der einen Personennamen als Hausnamen hat. Alle anderen Höfe haben geographische Bezeichnungen (Steinbacher, Blindauer, Pletracher usw.). Somit dürfte vermutlich der "Penz" der erste Hof südlich der Lofer gewesen sein; die anderen Höfe sind wahrscheinlich erst später entstanden. Außerdem hatten sich der "Penz" und der "Plindtauer" 1474 noch einmal das Erbrecht auf den anderen Höfen (Steinbacher, Pletrach) bestätigen lassen (vgl. 1474)

Ob der Penz (als Mühle) damals (um 1330) bereits existiert hat, lässt sich heute nicht mehr genau feststellen. Doch zählt der Penzbesitz "Gasteig" zu den ältesten Siedlungsgebieten von Reit im Winkl. Warum die Penz an dieser landwirtschaftlich uninteressanten Stelle (schlechte Bodenqualität, nahe dem Wasser) ihr Anwesen (spätere Säg- und Getreidemühle) errichteten, lässt sich nur erahnen. Wahrscheinlich waren die oben genannten Holzlieferungen auf dem Wasserweg an die Sole in Bad Reichenhall ein Grund?

1360 (ca.)

Laut einer mündlichen Sage soll die Gräfin und Landesherrin von Tirol, Margareta Maultasch, auf einer Flucht im Penzkaser (zur Penzmühle gehörige Käserei auf der Oberen Hemmersuppen-Alm) übernachtet haben und dort einen Teil ihres Vermögens zurückgelassen haben. Tatsächlich wurden dort 1975 größere Mengen an Münzen mit dem Prägezeichen der Maultasch gefunden. Allerdings waren auch Münzen aus späteren Epochen dabei. Geschichtlich belegt ist, dass Herzog Meinhard von Tirol und Oberbayern, Sohn der Gräfin Margarete Maultausch, auf seiner Flucht 1362 durch dieses Gebiet kam bzw. dass im 13. Jahrhundert eine Gräfin von Marquartstein auf der Flucht vor feindseligen Kriegstruppen über die "Plindtauer" Alm (der Plindtauer und der Penz gehörten ehemals zusammen; vgl. 1474) und Röthelmoos zurück nach Marquartstein floh.

1435

"Hanns Penz" wurde im Urbarbuch des Herzogs Heinrich XVI., des Reichen von Niederbayern (Baiern-Landshut) auf dem heutigen "Penzmüller"-Anwesen in Reit im Winkl genannt, wobei noch nicht ganz gesichert ist, ob dieses Anwesen zu dieser Zeit bereits eine Mühle war. Die Bezeichnung Mühle erscheint erstmals um 1600. Im diesem Jahr (1435) gibt der Hanns Penz 15 Pf. Maisteuer und 15 Pf. "von einer wisen".

Hans Penz

1474

Der ursprüngliche Besitz (Penzmühle, Blindau, Steinbach) wurde vor dieser Zeit geteilt. "Vorernannter Penz undt Nachvolgendr Plindtauer haben zu glaich mit ainander Erbrecht auf dem Pletrach (=Gebiet links des Weges hinauf zur Hemmersuppen zwischen dem Steinbacher und der Gschwendtaltm) und Stainpächen (=Steinbach), Innhalt aines Briefes. Außganngen von Herr Englhart von Weichs, Richter und gewester Pfleger zu Marquartstain, Anno 1474". Daneben ist in diesem Urbar von 1474 das "Etzrecht" (=Weiderecht) auf dem Steinbacher-Anwesen verbrieft:

Erbrecht im südlichen Lofertal

Zwischen dem Steinbacher Hof und den Knoglern bestand um diese Zeit ebenfalls eine Beziehung: „Elisabeth Illmerin (=Ilmenauerin), Tochter des verstorbenen Nikolaus Ilmer (=Ilmenauer), verkauft am 25. Juli 1460 dem Thomas Knogler zu Grub (bei Kössen) 1/5 aus dem halben Zehent für folgende Güter: dem Steinbacher zu Reit im Winkl, ein freies Eigen, dem Zächerl (in Reit im Winkl ?), drei Häuser zu Mosen, ein Gut zu Ochsenberg im Kössental, aus dem Kräblinger Lehen. Den Zehent hat sie von ihrem Vater geerbt.“ Somit hatte Thomas Knogler von Grub ab 1460 ebenfalls einen Anteil am Steinbacher-Hof.

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts lebten unsere Knogler-Vorfahren dann in "Auerdorf", dem heutigen Oberaudorf im Inntal (hier endet die Bundesstraße von Reit im Winkl kommend). Dort in Oberaudorf hatten die Grafen von Sulzbach ebenfalls einen Ministerialensitz mit der Bezeichnung "Auerbach". So schreibt DENDORFER: "Die Sulzbacher hatten Besitz in diesem Teil des Inntals. Nur wenige Kilometer von Auerbach entfernt, auf der rechten Innseite, saßen (ebenfalls) sulzbachiche Leute in der (...) Burg Ebbs."

1488

wurde im Stiftungsbrief der Pfarrei Kirchdorf in Tirol bezüglich der ewigen Messe zu Reit im Winkl ebenfalls ein Hans Pennz genannt.

1495

Der spätere Kaiser Maximilian I. stellt für die Brüder Peter und Anton Rummel (aus der Linie Rummel-Lichtenau; Lichtenau bei Ansbach) einen Wappenbrief aus, die als Montanherren im Raum Schwaz (zu den dortigen Penz in Uderns bestanden noch im 19. Jahrhundert weitschichtige verwandtschafltiche Beziehungen) und am Innsbrucker Hof bekannt waren. Durch die Gebrüder Rummel wurde Albrecht Dürer am Innsbrucker Hof eingeführt, dessen Schwiegermutter eine geboren Rummel war. Um 1500 und um 1510 hatte Dürer mehrere Aufträge von Kaiser Maximilian I. am Hof in Innsbruck angenommen.

Nachfolger Dürers als Stadtmaler von Nürnberg wurde 1532 Georg Penz (geboren um 1500, eventuell als Sohn des Wolf Penz von Pfraunfeld?), der ursprünglich Dürers Geselle war und eine Magd Dürers geheiratet hatte. Sieben Jahre vor seiner Anstellung als Nürnberger Stadtmaler und 8 Jahre nach Luthers Thesenanschlag wurde Georg Penz 1525 als Anhänger der radikalen Reformation - zusammen mit seinen Malerfreunden Barthel und Sebald Behaim - in Nürnberg verhaftet, vor Gericht gestellt und zur Verbannung verurteilt ("die drei gottlosen Maler"). Zunächst hielten sich die drei in Windsheim auf, bis sie am Endes des Jahres 1525 wieder nach Nürnberg zurückkehren durften. Nach seiner Rückkehr brachte es Georg Penz (oft auch Pencz geschrieben) zu hohem Ansehen. So schreibt László Mészáros in seinem Buch: Italien sieht Dürer - Zur Wirkung der deutschen Druckgraphik auf die italienische Kunst des 16. Jahrhunderts: "Pencz hat den Papst reservierter und mit der Verleihung der Krone zurückhaltender gezeichnet als Girolamo Grandis". Später war Georg Penz Hofmaler Herzog Albrechts in Königsberg. Georg Penz starb 1550 in Breslau.

Außerdem lassen sich öfters verwandtschafltiche Beziehungen zwischen den Rummel und den Benz nachweisen. So war z. B. die Mutter des Franz Ferdinand von Rummel (aus der Familie der Rummel-Lichtenau; Lehrer von Kaiser Josephs I. und späterer Fürstbischof von Wien) eine geborene Benz. Sie war die Tochter des unten genannten Eichstätter Hofrats Dr. Johann Benz (vgl. 1625) und der Anna Maria Luchs (Lux), Tochter des Eichstätter Hofrats Oswald Luchs (Lux).

Durch diese Rummel-Beziehungen kamen vermutlich auch die Knogler an den Hof nach Innsbruck. 1586 erhielten die beiden Brüder Adam und Georg Knogler (und nachträglich auch ihr inzwischen verstorbener Vater Georg Knogler) einen Wappenbrief durch den österreichischen Erzherzogs Ferdinand II. (Sohn des Kaisers Ferdinand I.), da die beiden Brüder die Schwestern Barbara und Johanna des Erzherzogs Ferdinand ohne Schaden zu ihren Hochzeiten nach Italien "hineingeführt" hatten. Barbara heiratete am 5. Dezember 1565 in Ferrara Alfons II. d'Este, Herzog von Ferrara, Johanna heiratete am 15. Dezember 1578 in Florenz Franz I. von Medici, Großherzog von Toskana:

"Wir Ferdinand etc. Bekhennen vnnd thuen Kundt menigelich offennlich mit dem Brief, dass (...) damit Vnnsere landesgeborne Vndterthanen vnd getrewe Adam und Georg die Khnogler gebrüeder, burge alhie zue Ynsprugg, vor vnnser berrhüembt werden. Auch die vnnderthenigen gethrewen vnnd guetwilligen diennst so nit allain sy, sonder auch noch weylandt Ir Vatter auch Georg Knogler genannt in seinen lebzeiten vnns vnnd vnnserem Löblichen Hauß Össterreich in mehr weg sonderlich aber Ao 63 den khuniglichen deütschen Gwardi zue Mailandt, so dann hernach Ao 65, alß weylandt beede unsere geliebte Schwestern Frawen Barbara und Johanna, Hochlöblichster gedachtnuß gehen Ferrar und Florentz verheirat und hin eingefüert worden (...)"

1517

Martin Luther, Sohn des Bergmanns und Mineneigners (!) Hans Luder, schlägt in Wittenberg sein 95 Thesen an. Schon bald findet man die Benz und Knogler als Anhänger dieser neuen Lehre. Während die Benz die neue Lehre vorwiegend im württembergisch-fränkischen Grenzgebiet verbreiten , gingen die Knogler nach Österreich-Ungarn (einschließlich Slowenien). So wird kurz nach Einführung der Reformation in der Pfarrei Dentlein (Kreis Ansbach) Jodocus Benz von Jägerndorf (durch den ansbachischen Markgrafen Georg den Frommen wird Jägerndorf zum Zentrum der lutherischen Lehre in Schlesien) als Pfarrer genannt. Jodocus Benz war jedoch gebürtig von Feuchtwangen und erscheint 1549 als "Jodok Benz, Feuchtwangen" unter den Ingolstädter Studenten. 1553 heiratete er in Feuchtwangen die Katharina Soldner. Sein Sohn Leonhard Benz hielt 1593 den ersten evangelischen Gottesdienst in Oberschwaningen ab.

Eine Erklärung für den Zusammenhang der Lehre Luthers mit dem Bergbau nennt die Homepage des Silberbergwerkes in Schwaz/Tirol: "Der Umstand, dass die Bergleute, welche ja mit Masse aus dem Ausland waren, aufgrund ihres oft extravaganten Freizeitverhaltens von der einheimischen Bevölkerung gemieden wurden und auch durch ihre Sonderprivilegien trotz ihrer großen Zahl in eine Außenseiterrolle fielen, machte sie anfällig für die Lehren Martin Luthers. Der Protestantismus erschien den Knappen nicht so hierarchisch, steif und traditionsbeladen wie die katholische Kirche und der Reformprediger Jakob Strauß wusste mit seiner radikalen Art die Bergleute zu begeistern."

Der Advocat Magister Christoph Knogler (gest. 1609), Sohn des Sebastian Knogler, Pfarrer von Pyhra bei St. Pölten/Niederösterreich, hält 1591 ein Epicedium (Anhang zur Leichenpredigt) für Sophia Memhard, Tochter des Linzer Landschaftsschulrektors Magister Johann Memhard, gebürtig von Herbrechtingen a. d. Brenz (zwischen Giengen und Heidenheim; vgl. 11.-13. Jh. ). Dort im Gebiet um Heidenheim gab es auch eine protestantische Pastorenfamilie Benz, die mit den Benz in Feuchtwangen verwandt war. Ein Sohn des Magister Johann Memhard war Johann Gregor Memhardt, Festungsbauer (z. B. von Schloss Oranienburg) des Kurfürsten Friedrich Wilhelm in Berlin. Durch diese Beziehungen nach Pyhra kamen die Knogler nach Wien und wurden dort und in Ungarn bzw. Slowenien Richter, Ärzte und Pfarrer.

So wird vom Pfarrer Elias Knogler in Modern bei Preßburg (heute Modra bei Bratislava) berichtet, "er hätte so übermässig lange gepredigt, dass manche seiner Zuhörer aus der Versammlung herauzugehen durch Hunger gezwungen, indem sie ihr Mittagessen zu Hause endigten, und zurückkamen, ihn noch immer auf der Kanzel perorirend (=laut und mit Nachdruck reden) fanden". Die Nachkommen des Elias Knogler wurden in "Ungarn zwey berümte Aerzte, einer hiess Martin Knogler" und wirkte in Pukanec, der andere war Johann Christoph Knogler in Trentschin.

1531

erschien im Verzeichnis der Zehentleute des Klosters St. Zeno von Reichenhall in Reit im Winkl der Name Penntz (leider ohne Vornamen). Dies könnte ein Hinweis sein, dass immer noch Beziehungen nach Reichenhall bestanden bzw. dass das Kloster St. Zeno von Bad Reichenhall immer noch Beziehungen nach Reit im Winkl hatte. Außerdem erschien in diesem Verzeichnis noch ein "Hans Knogl" vom Knogler-Anwesen in Reit im Winkl.

1554

wurde Lienndl (=Leonhard) Penntz in der Beschreibung der Häuser und Feuerstätten samt den Herbergleuten im Gericht Marquartstein erwähnt: "sitzt undter unnser Frauen gotzhaus (=Gotteshaus) zu Grassau, hat ain hueb (eine Hube = Steuer für einen halben, geteilten Hof)". Neben den Abgaben an die Kirche von Grassau musste "der Penntz" auch noch Frondienst für den Herzog leisten (vgl. Zusatz unter dem Eintrag): "Scharwerk (=Frondienst) dem Herzog" (=Herzog Albrecht V. von Bayern). Eigenartigerweise war die Penzmühle der einzige Besitz der Kirche von Grassau, den diese in Reit im Winkl hatte.

Leonhard ("Linndl") Penz

Diese einzigartige Stellung (einziges Anwesen in Reit im Winkl, dass der Kirche von Grassau gehörte) spricht auch dafür, dass die oben genannten Ausführungen stimmen dürften. Sehr wahrscheinlich gehörten die ersten Penz in Reit im Winkl zum Stande der "liberi". "Die "liberi" waren i. d. R. sog. "Herzogsfreie": Wehr- und Rodungsbauern (vgl. hierzu z.B. die Geschichte von Penzing bei Wien, Penzorte in Bayern und Österreich), deren Freiheit darin bestand, dass sie dem Herzog direkt Unteran waren. Sie saßen voll trotziger Abgeschiedenheit auf ihren Höfen (so z. B. auch Reit im Winkl), gaben den Kreis der Umstehenden ab, wenn Gericht gehalten wurde, rückten ins Feld, wenn der Heerbann aufgehoben war." (HUBENSTEINER; Bayerische Geschichte; Seiten 29 f)

„Es scheint (also), dass zunächst f r e i e G e f o l g s k r i e g e r zusammen mit dem Herzog das Land beherrschten und bewohnten. Ihre Siedlungen, die sie übernahmen oder neu anlegten, dürften im wesentlichen hausherrschaftlich organisiert gewesen sein. (...) Man wird sich darunter große Einzelhöfe der freien Bauernkrieger oder Gefolgsschaftskrieger vorzustellen haben, die mit ihren Knechten das Land bebauten (...)“ (STRÖMER, Zur gesellschaftlichen Gliederung; in: Die Bajuwaren (Katalog zur Landesausstellung); Seite 225)

„Sie (die libri, die Freien) lebten von Ackerbau und Viehzucht und waren bestrebt, neues Land zu roden und unter den Pflug zu nehmen. Damit weitete sich das bairische Siedlungsgebiet nach Süden und griff über das Alpenvorland wohl schon im späten 6. oder 7. Jahrhundert auch in die fruchtbaren alpinen Beckenlandschaften der Umgebung von Berchtesgaden aus. (...) Besondere Bedeutung wurde dabei den Solequellen von Reichenhall beigemessen." (BRUGGER u.a., Geschichte von Berchtesgaden; Seite 188)

In diese Zeit der ersten Ortsgründungen Gründungen fällt aber auch der Beginn des teilweisen Machtverfalls der „libri“. Über den Machverlust der „libri“ im Chiemgau schreibt auch Heinz DOPSCH im Heimatbuch des Landkreises Traunstein: “Seit dem 9. Jahrhundert zeichnet sich aber ein unauhaltsamer Rückgang der freien Bevölkerung ab (...). Neben dem Druck, der von machthungrigen Adeligen im Zuge ihres Herrschaftsausbaus auf die Freien ausgeübt wurde, müssen auch die enormen Belastungen berücksichtigt werden, die in zunehmendem Maße gerade auf der freien Bevölkerung lasteten. Die Pflicht der Heerfolge, die fast jährlich gegeben war, die Anschaffung von Waffen, insbesondere von teuren Streitpferden zur Zeit der Ungarnkriege, die lange Abwesenheit von Haus und Hof und die hohe Todesrate in den häufigen Kriegen stellten für die Freien eine schwere, ständig steigende Belastung dar. Um diesem Druck zu entgehen, haben sich große Teile der freien Bevölkerung, häufig Witwen mit ihren Kindern, mehr oder weniger freiwillig dem Schutz eines geistlichen und weltlichen Herren unterstellt. Der jährliche Zins von 5 bis 6 Pfennigen, den sie an ihren Schutzherrn entrichten mussten, war für sie eine westliche geringere Belastung, als die ständig vermehrten Pflichten der freien Bevölkerung.“

Ähnlich interpretiert diesen Machtverlust der „freien" Wehr- und Rodungssiedler Karl Bosl: "Die Kriegstechnik hatte das schwerbewaffnete Panzerreiterheer entwickelt, für das der bäuerliche Krieger untauglich war. Das aber förderte den sozialen Abstieg der (...) "libri" (...)", die nun vermehrt ihre Güter an die Kirchen übergaben.

Auch die Penz kamen so wahrscheinlich als "abhängige Freie" an die Kirche, an die mächtige Urpfarrei Grassau. Für diese Annahme sprechen: 1. Die Benzmühle ist das einzige Anwesen, das die Kirche von Grassau in Reit im Winkl besaß. 2. Die Lehensübergabe von Grassau erfolgte in Form des "dauerbaren Erbrechts". Das "dauerbare Erbrecht" ist eine sehr starke Stellung. Der Penz konnte das Anwesen vererben, verkaufen, vertauschen, verschenken und belasten. Die Zustimmung der Grundherrschaft war eine Formsache bzw. mit einer Abgabe, dem Abschreibegeld, erledigt. 3. Der Penz hatte sich 1474 das Erbrecht auf den Nachbarhöfen verbriefen lassen, somit Rechte an den umliegenden Höfen.

Das Gebiet der Urpfarrei Grassau „ersteckte sich über das ganze Talgebiet der Tiroler Ache von der Landesgrenze hinter Oberwössen und Schleching (...) im Süden bis zum Südufer des Chiemsees im Norden, und hatte insgesamt 12 Filialkirchen (u.a. Übersee, Rottau, Egerndach, Marquartstein, Unterwössen und Schleching)“. Daneben waren die Pfarrer von Grassau noch Siegelzeugen für die Grafen aus dem Geschlecht der Sieghartinger.

Zu der Zeit, als die Penzmühle des "Lienndl (=Leonhard) Penntz" von Reit im Winkl noch "unnser Frauen gotzhaus (=Gotteshaus) zu Grassau" gehörte (1554), bestanden noch Beziehungen zwischen dem Bistum Eichstätt und der Pfarrei Grassau. 1557 brachte Bischof Eberhard von Eichstätt in der Kirche von Grassau (diese war Grundherr der Penzmühle) eine Gedenktafel für Johannnes von Hirnheim an (1557). Dieser Johannes von Hirnheim war Pfarrer in Grassau und Domherr zu Eichstätt. Johannes von Hirnheim starb - laut Inschrift der Tafel vor 233 Jahren - also im Jahre 1324; laut Unterlagen des Diözesanarchivs in Eichstätt am Gründonnerstag im Jahre 1411 (=9. April 1411). Johannes von Hirnheim hatte den Freskenzyklus in der Kirche von Grassau anbringen lassen, "eine der großartigsten und bedeutensten Schöpfungen der Wandmalerei des sog. "Weichen Stils" in Süddeutschland". Nachdem Johannes von Hirnheim 233 Jahre (!) nach seinem Tod noch eine Gedenktafel bekam, dürfte er wohl eine bedeutende Persönlichkeit gewesen sein. Bischof Eberhard von Eichstätt war vor seiner Ernennung zum Bischof von Eichstätt Domprobst in Salzburg. Während seines Lebens war er auch der wichtigste Rechtsbeistand der Probstei Berchtesgaden.

Die erste nachweisebar Beziehung des Chiemgaus mit Greding (und somit ins Hochstift Eichstätt) lässt sich bereits kurz nach dem Jahre 1000 n. Chr. nachweisen. Um 1015 übergab der Chiemgaugraf Sieghart V. (aus dem Geschlecht der Sieghartinger) sein Eigengut zu Esselberg (heute Gemeinde Greding) an des Kloster St. Emmeram in Regensburg um sein Seelenheil zu sichern. Später ließ sich eine Nebenlinie der Sieghartinger (genannt die Peilsteiner mit einem ihrer Stammsitze in Bad Reichenhall) im Gredinger Nachbarort Hilpoltstein nieder. Noch heute hat der Gredinger Nachbarort Freystadt i. d. Opf. das Wappen der Peilsteiner als Gemeindewappen.

1567

Lienndl (=Leonhard) Penntz übergab das Penz-Anwesen in Reit im Winkl an seinen Sohn Thomas Pentz (vgl. 1584). Zur selben Generation wie der Thomas Pentz dürften auch die 1581 in Greding bezeugten Brüder Michael und Hans Penz gehören, wobei die genauen verwandtschaftlichen Verhältnisse noch nicht geklärt sind.

Die Brüder Michael und Hans Penz zogen - wahrscheinlich durch früherer verwandtschaftliche Beziehungen (auch zu den Schenken von Geyern) - nach Greding, in die ehemalige Grafschaft Hirschberg. Die Grafen von Hirschberg waren die Erben der Sulzbacher und gingen aus den Ortenburgern hervor (nach Prof. Karl BOSL: ging sie aus den Sulzbachern hervor). Jürgen Dendorfer schreibt in seinem Buch "Adelige Gruppenbildung und Königsherrschaft": "Ob die Grafen von Sulzbach in diesem Raum (um Greding; Anm.) selbst Besitzungen hatten, ist methodisch nicht mehr eindeutig erkennbar, da ihre Allodialerben, die Grafen von Hirschberg, hier schon vor 1188 begütert waren, und so ehemals sulzbachische und hirschbergische Besitzungen im 13. Jahrhundert nicht mehr zu unterscheiden sind. Auf besitzgeschichtliche Verbindung zum Gebiet um Berching, Greding, Thalmässing und Hilpoltstein deutet aber neben dem Auftreten der Thannbrunner (Ortsteil von Berching; Anm.) im sulzbachischen Gefolge auch das erstaunlich dicht belegte Beziehungsgeflecht zwischen den Herren von Höbing (=Ortsteil von Greding; Anm.) und den Grafen von Sulzbach. Denn im Berchtesgadener Traditionsbuch wird ein Schenkerkreis um die Herren von Höbing (=Großhöbing bei Greding; Anm.) genannt, der dem Stift am Königssee umfangreiche Besitzungen im Raum Eichstätt, Beilngries, Berching und Weißenburg zubrachte."

Auch hatten die Grafen von Hirschberg ihrerseits Beziehungen in das an den Chiemgau angrenzende Tirol. Von 1248 bis 1284 waren die Hirschberger - zusammen mit ihrem Schwager Meinhard von Görz (dessen Onkel Meinhard II. von Görz mit Kunigunde von Peilstein, ebenfalls Tochter des Konrad von Peilstein (vgl. 1075) verheiratet war) - Landesherren von Tirol und hatten somit umfangreichen Besitz im heutigen Nord- und Südtirol. Seit dieser Zeit findet man viele Penz in Orten, die Hirschberger Besitz in Tirol und oft auch Bergbauregionen waren. So z. B. im Zillertal, Wipptal, Gebiet am Brenner. Auch stammte die Großmutter des letzten Grafen von Hirschberg (Gebhard VII.; gest. 1305) aus dem Geschlecht der Grafen von Württemberg (Mathilde von Württemberg, gest. 1247, verheiratet mit Gebhard V. von Hirschberg). So dass seit dieser Zeit auch über die Landesherren eine enge Bindung zwischen dem Gebiet um Eichstätt und Württemberg bestand.

Schloss Hirschberg liegt bei Beilngries im Kreis Eichstätt/Oberbayern. Hans Penz wurde der Stammvater der noch heute in Greding lebenden Familie Benz. Sein Sohn Georg Penz/Benz (Bürgermeister von Greding, gest. 1648) übernahm im Jahr 1613 das Anwesen des ehemaligen Gredinger Bürgermeisters Hans Widhölzl (wohl Verwandtschaft von Reit im Winkl, vgl. auch 1637). Auch er wurde - wie die nächsten Generationen der Benz in Greding - Bürgermeister.

Eventuell war der Bauernaufstand von 1525 ein Grund für das Erscheinen der Benz in Greding. Die Gredinger Bürger öffneten - im Gegensatz zu ihren Nachbarorten Berching und Beilngries - vorschnell die Tore, als der "Mässinger Haufen" versuchte die Stadt zu erobern. So konnten die Bauernführer des "Mässinger Haufens" in Greding ihr Hauptquartier einrichten. Ihr Plan war es, das Altmühltal und den benachbarten Ingolstädter Gau aufzuwiegeln und dann mit diesen Bauern in die Oberpfalz vorzustoßen. Der Landesherr, der Fürstbischof von Eichstätt, war über diese frühe Kapitulation seiner Residenzstadt Greding so sehr erzürnt, dass er beschloss, in Greding die Stadtmauern zu schleifen und Greding zu einem Dorf zurück zu degradieren. Glücklicherweise wurde diese Anordnung nicht umgesetzt. Doch fällt in der Geschichte Gredings auf, dass ungefähr seit dieser Zeit die alten Gredinger Ortsadels- und Ratsfamilien nach und nach "verschwanden" und durch neue Familien ersetzt wurden. Der Gredinger Richter Johann Jobst, ein Bruder unseres Vorfahren Kaspar Jobst, nennt in einem Streit um das Stipendium des Georg Jobst, 13 "baierische Verwaltungsleute" in Greding (aus dem Umfeld der Schenken von Geyern?).

Greding um 1915

Das ganz linke Gebäude ist seit 1613 in Besitz der Familie Benz von Greding (Hausname "Benz", früher "Oberbenz"; 1606 war es noch in Besitz des Hans Widhösl/Widhölzl; danach erscheint für kurze Zeit ein Hans Birkl (Pirkel, Pürkel) als Besitzer; heute ist das Gebäude - wie viele andere Gebäude auf dieser Straßenseite - aufgestockt). Im Hintergrund erkennt man das Schloss von Greding, die Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Eichstätt. Das Gebäude links neben dem Schloss ist das Gasthaus "Zum Bayerischen". Dort wuchs der bekannte bayerische Liedermacher Fredl Fesl auf, der mit mir gemeinsame Vorfahren hat.

1584

besaß - laut Grundbuch des Fürstlichen Kastenamts in Marquartstein - Thomas Pentz "Ain ganz guat" (=ein ganzes Gut; kein Hinweis auf eine Mühle?), steuerbar "unnser frauen zu Grassau" (=Gotteshaus "Unserer Lieben Frau" zu Grassau) mit einem "daurbar Erbrecht". Sein Besitz umfasste u.a. die "wissen Gassteig" (12 Tagwerk), "aufm Gschwennt" (7 Tagwerk), "Mößter"-Wiese (9 Tagwerk) und "zu Mauser" (6 Tagwerk). Insgesamt umfasst das Anwesen 34 Tagwerk Wiesen, 36 Rinder sowie "Albrecht zue Hemersuppen sambt ainem Kaser" (=Almrechte auf der Hemmersuppen zusammen mit einem Kaser (Käserei)). Daneben besaß Thomas Pentz - zusammen mit dem "Plindtauer" - Erbrecht und Teile am Pletrach und das Recht am "Stainpach Trib" (=Trieb) und am "Etz" (=Weiderecht).

Thomas Penz

Thomas Penz

1612

erscheint im Register der Hauptsteuerbeschreibung Veit Pennz als "Miller" (=Müller, wohl Sägmühle) mit einem ½ Lehen Freistift, gehörig zum Gotteshaus in Grassau. Die Bezeichnung "Miller" dürfte wohl nach 1599 entstanden sein, denn in diesem Jahr (bwz. erste Verhandlungen bereits 1597) vereinbarten die Herzöge von Baiern mit dem Land Tirol (im sog. Wechsellibell), dass das Holz aus Reit im Winkl ins benachbarte Kössen in Tirol für das dortige Hüttenwerk geliefert werden soll, während das Holz aus den "Kessenthalerischen Wäldt" (=Kössentalerische Wälder) nach Reichenhall kam. Außerdem bekam Baiern die Nutzungsrechte für Wälder im salzburgischen Pinzgau. Vermutlich hat man wohl ab diesem Zeitpunkt (1599) das Holz gleich vor Ort an der Penzmühle in Reit im Winkl bearbeitet.

Wahrscheinlich war dieser oben genannte Veit Pennz der Vater eines weiteren Veit (=Vitus) Penz, der in den Kirchenbüchern ab 1649 als Penzmüller und Kindsvater genannt wird. Als Ehefrau (des zweiten?) Veit (=Vitus) Penz und Mutter seiner Kinder wird die Barbara Pfändl/Pfandl genannt.

1625

Firmeintrag in Kipfenberg (Kreis Eichstätt) aus dem Jahre 1625: Joannes, (Sohn des) Joannis Bentz (von) Underbaing in Wirtemberg (=Unterboihingen in Württemberg), Pate: Joannes Bentz, Baderssohn von Kipfenberg, dessen Vater gebürtig von Greding war.

Für die Firmung im katholischen Kipfenberg (Kreis Eichstätt/Oberbayern) gibt es im Heimatbuch von Unterboihingen (Sitz der Herren von Wernau) folgende Erklärung. Das Präsentationsrecht für den Pfarrer von Unterboihingen (in Württemberg) hatte das Spital in Esslingen. "Das ging solange gut, so lange man die gleiche Religion hatte. 1531 aber wurde in der Reichsstadt Esslingen (...) die Reformation beschlossen (...). Das bedeutete ständige Reibereien und Konfessionsstreitigkeiten in Unterboihingen (...). (...) so verteidigten die Herren von Wernau jeden Zentimeter des katholischen Dorfes, das ja eine der wenigen bei der alten Religion gebliebenen Inseln in der weiten Umgebung darstellte. Fast 150 Jahre lang stellte das für Unterboihingen eine kirchenpolitische Frace dar: Das Esslinger Spital hielt den Betrieb in der Kirche "Im Hirnholz" aufrecht. Die katholische Unterboihinger mieden dagegen des Gotteshaus, bzw. mußten es auf Geheiß der Ortsherren meiden. Man hätte ja dort protestantischen Boden betreten und der evangelische Bazillus hätte unheilvoll wirken können."

"Für die Herren von Wernau, die sich tradtionell im Dienste Bayerns, der Bischöfe von Augsburg und Würzburg und auch des streng altgläubigen Kaiserhauses befanden, kam ein Anschluss an die Reformation von vornherein nicht in Frage."

Der damalige Herr von Unterboihingen war Konrad von Wernau, dessen Tochter Maria Magdalena von Wernau mit Martin Schenk von Geyern, Pfleger zu Kipfenberg, verheiratet war. Eine Tochter (Margaretha Ursula) aus der Ehe des Martin Schenk von Geyern und der Maria Magdalena von Wernau heiratete eine Johann Siegmund, Schenk von Stauffenberg. Die Mutter des Konrad von Wernau war Anna von Rechberg. Die Rechberg ihrerseits waren Schenken von Ellwangen. Dort in Ellwangen sind die Benz auch als Kanzler genannt; so z. B. Dr. Johann Benz, ehemals Eichstättischer Hofrat, Vater des Eichstätter Weihbischofs Ludwig Wilhelm Benz und direkter Nachkomme des Vogts "Egidi Benz von Ulm". Ca. 7 km süd-westlich von Unterboihingen gibt es einen Benzberg. Dies dürfte wieder für eine frühe Besiedlung dieses Gebietes durch die Benz sprechen.

Außerdem gibt es in der Umgebung von Greding/Bay. und Unterboihingen/BW viele ähnlich klingende Ortsnamen (angegeben ist jeweils die Entfernung nach Greding/Bay. bzw. Unterboihingen/BW): Denkendorf/Bay. = 5,5 km, Denkendorf/BW = 5,5 km; Altenberg/Bay. = 4 km, Altenberg/BW = 1,5 km; Altdorf/Bay = 10 km, Altdorf/BW = 11,5 km; Kemathen/Bay. = 3 km (in ca. 25 km Entfernung gibt es noch 3 Kemnat(h), Kemnat/BW = 20 km; Titting/Bay. = 14,5 km, Dettingen/BW = 8 km; Wellheim/Bay = 30 km, Wellingen/BW = 8 km, Weilheim/BW = 12 km; Attenhofen/Bay. (urspr. Hattenhofen) = 16 km, Hattenhofen = 18 km; Pollanten/Bay. = 26 km, Bonlanden/BW = 13 km. Bestanden deshalb vielleicht Beziehungen zwischen beiden Besiedlungsgebieten?

1637 (ca.)

Um diese Zeit scheint Veit Penz (der II.?) geheiratet zu haben. Mit Barbara Pfändl/Pfandl (Pfändl übernahmen um 1600 von der Familie Knogler das Knogler-Anwesen in Reit im Winkl) hatte Veit Penz zwischen 1649 und 1656 vier Kinder. Ob auch sein Sohn Hans Penz, geboren um 1638, bereits ein Sohn der Barbara Pfandl/Pfändl ist, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, da die Kirchenbücher von Reit im Winkl erst später beginnen. Taufpatin bei den letzten vier Kindern war in der Regel die Magdalena Widhölzl (Hans Widhölzl/Widhösl besaß 1605 das heutige Benz-Anwesen in Greding, Michael Benz von Greding heiratete 1854 die Theresia Knogler aus Ingolstadt, Nachkommin der Knogler von Reit im Winkl). Bis in diese Zeit scheinen die verwandtschaftlichen Beziehungen der Benz und Knogler im Raum Reit im Winkl und im Raum Greding/Ingolstadt bestanden zu haben. So findet man im 18. Jahrhundet - neben den oben genannten Widhölzl, Pöll - noch ca. 25 weitere identische Familiennamen im Umfeld der Penz/Knogler in Reit im Winkl und der Benz/Knogler im Raum Greding/Ingolstadt (z. B. Gogl, Ullinger, Döller, Siebenhaar/Siebenhärl usw.).

 

1668

Hans Penz zu Reutt (=Reit im Winkl), geboren um 1638 (vor Beginn der Kirchenbücher) als Sohn des Veit Penz, zahlte für sein ¾ Lehen, gehörig der Pfarrkirche zu Grassau, 20 fl. Neustift (=Übernahme des Anwesens). Im selben Jahr heiratete Hans Penz die Ursula Lehrberger. Aus dieser Ehe gingen mindestens 7 Kinder hervor. Hans Penz wurde Penzmüller auf der Penzmühle in Reit im Winkl. Er starb am 9. Mai 1711 als Penzmüller und Mitglied der Bruderschaft mit 73 Jahren.

 

1703

In diesem Jahr erscheint ein Veit Penz als Besitzer des "Penzenguets" und "der Müll" (=Mühle). Dieser Veit Penz zahlte (bis 1717) an die Kirche von Grassau jährlich ungefähr 3 fl. 40 kr. Güelt (=Steuer) für ein ¾ - Lehen. In den ersten Jahren "zahlte" er auch noch zusätzlich 10 Pfund Schmalz. Die Herkunft dieses Veit Penz ist allerdings noch ungeklärt. Es kann sich nicht um den Sohn Veit Penz des Hans Penz handeln, da dieser 1693 als Jüngling verstarb (vielleicht starb auch ein Veit Penz aus einer anderen Penz-Familie als Jüngling?) und ebenso wenig um den Vater Veit Penz des Hans Penz, da dieser vor 1687 verstorben ist. Der Vorname Veit deutet wohl aber auf Verwandtschaft hin.

 

1705

Barbara Penz, geboren 1673 in Reit im Winkl als Tochter des Penzmüllers Hans Penz und der Ursula Lehrberger, heiratete am 1. Juni 1705 in Reit im Winkl dem Johann Sibenhärl, Sohn des verstorbenen Johann Siebenhärl und der verstorbenen Maria Pöchtl (Pöschl, Peschl?). Trauzeuge auf Seiten der Barbara Penz ist der Valentin Herbst, auf Seiten des Johann Siebenhärl der Joseph Sume(r). Dieser Johann Siebenhärl dürfte verwandt sein zu der Müllerfamilie Siebenhaar aus Feuchtwangen (Kreis Ansbach). Die Siebenhaar in Feuchtwangen hatten ihrerseits wieder engen verwandtschaftlichen Kontakt zur dortigen Bürgermeister- und Vogtfamilie Benz (ebenfalls weitschichte Verwandtschaft zu den Benz im Brenztal und Greding).

So kaufte 1611 der Bestandsmüller "Sibenhar" von der Herbstmühle bei Feuchtwangen von Herrn M. Philipp Jung, Pfarrherr zu Leutershausen, ein Gut ab (rund 100 Jahre später ist Johann Nikolaus Benz, Nachkomme der Feuchtwanger Benz, dort Pfarrherr). 1675 wird die freieigene Herbstmühle dann von Christoph Mayer, derzeit wohnhaft auf der Herbstmühle, im Beistand seines Schwagers Johann Heinrich Benz, Bürgermeister von Feuchtwangen (und Taufpate des Urgroßvaters von Friedrich Schiller), an den Markgrafen Johann Friedrich zu Ansbach-Brandenburg verkauft. Die Herbstmühle hat ihren Namen vom Müllergeschlecht Herbst, dass im 16. Jahrhundert auf der Mühle saß.

Die Siebenhaar in Feuchtwangen stellten ebenfalls frühe protestantische Pfarrer. So beschreibt z. B. der evangelische Pfarrer von Beuerberg, Balthasar Siebenhaar, in seiner "CURRICULUM VITAE" eindrucksvoll, wie er von der "katholischen Irrlehre" (katholisch getauft an Hl. Drei-König-Tag 1541 in Herrieden bei Ansbach) zum evangelischen Glauben gewechselt ist. Außerdem erwähnt er in seiner CURRICULUM VITAE, dass er als Student in Wittenberg dem im Totenbett aufgebahrten Philipp Melanchthon (bedeutenster Mitarbeiter Luthers) mehrere Haare von seinem Kopf abgeschnitten hat. Dieser Balthasar Siebenhaar heiratete 1577 in Feuchtwangen eine Barbara Jung, die eine geborene Sumer war (vgl. Trauzeuge Joseph Sume(r) bei der Hochzeit der Barbara Penz mit Johannes Siebenhärl 1705 in Reit im Winkl).

1147/56 erscheint ein "Oudalrich Sibenhar" als wittelsbachischer Ministeriale, dieser würde als "standesgemäß" zum Ministerialengeschlecht der "Penzinger" (Grafen von Wasserburg) und "Penzkofer" (Grafen von Bogen) passen.

1257 schenkte zu Neuburg a. d. Donau Ludwig von Gottes Gnaden Herzog von Bayern, Pfalzgraf bei Rhein den Gott andächtig dienenden frommen Frauen in Schonfeldt (=Niederschönenfeld) vom Orden der Zisterzienser in der Diözese Augsburg einige Orte. In dieser Urkunde wird erwähnt, dass Ludwig, Herzog von Bayern, den Ort Rain am Lech bereits früher den Frauen in Schonfeldt überlassen hat. Dort in Rain am Lech hatten die Knogler und Benz direkte Vorfahren. Zeuge dieser Schenkung von 1257 war u. a. ein Heinrich Sibenhar.

1711

Der "alte" Penzmüller Hans Penz starb am 10. August 1711 mit 73 Jahren, seine Ehefrau Ursula Lehrberger am 9. Mai 1711 mit 71 Jahren. In diesem Jahr scheint auch das Lehensverhältnis zwischen Veit Penz und der Kirche von Grassau neu ausgehandelt worden zu sein, denn es wurde nachträglich in das Steuerverzeichnis der Kirche von Grassau der Zusatz "zue freystiftsgerechtigkeit" eingefügt. Dieser Zusatz erscheint nun auch in den nächsten Jahren. Bis 1717 besaß Veit Penz noch das Anwesen "zue freystüfft Gerechtigkeit".

1713

Etwa zur selben Zeit (ab 1713) lebte auf der Penzmühle ein Wolfgang Hörmann (wahrscheinlich Verwandtschaft; vgl. Anna Maria Hörmann, geb. 1718 in Kinding, Großmutter von Michael Benz in Greding). Von Wolfgang Hörmann und seiner Ehefrau Martha Seiwald/Seywald ist in den Matrikelbüchern von Reit im Winkl die Geburt von 5 Kindern zwischen 1713 und 1718 auf der Penzmühle eingetragen. Wolfgang Hörmann erschien erstmals 1713 bei der Geburt seines Sohnes Pankraz in den Kirchenbüchern von Reit im Winkl. Die Gült (=Abgaben) zahlte aber immer noch der Veit Penz. Da in der Erbauseinandersetzung aus dem Jahre 1718 von sieben Kindern die Rede ist, muss dieses 1713 geborene Kind von Wolfgang Hörmann sein drittes Kind gewesen sein. Wo die anderen beiden Kinder geboren wurden, ist noch unbekannt.

1717

letztmalige Erwähnung des Veit Penz als Steuerzahler in den "Kürchrechnungen" (=Kirchenrechnugen) von Grassau. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt (kein Todeseintrag in den Matrikeln). Somit endete mit diesem Jahr das Geschlecht der Penz als Betreiber der Penzmühle (heute Benzmühle) zu Reit im Winkl.

 

1718

Der "Penzmüller" Wolf Hörmann starb am 30. Juni 1718, gute vier Monate vor der Geburt seines letzten Kindes Wolfgang. Die Mühle ging per Freistiftsgerechtigkeit je zur Hälfte auf seine sieben Kinder und die Witwe Martha über. Bei der Eintragung der Neustiftsgerechtigkeit (=Übernahme) wurde der Wert der Mühle auf 740 fl. (=Gulden) geschätzt. Die Witwe und Mutter zahlte die ganze Neustift (=Steuer) - auch für ihre Kinder - in Höhe von 55 fl. Da die Kinder noch minderjährig waren und somit die Mühle nicht betreiben konnten, ging diese auf Balthasar Zeller über.

 

1720

ist dann Balthasar Zeller/Zellner (wohl ebenfalls Verwandtschaft; vgl. u.a. Hochzeit 1765 Benz-Zeller in Beilngries und Zeller-Ahnen unserer Ingolstädter Knogler-Vorfahren) als "Müller zu Penzen" genannt. Er betrieb eine Mühle mit drei Mahlgängen und eine Säge. Dieser Balthasar Zeller dürfte - wenn das Alter im Sterbeeintrag stimmt - um 1700 geboren worden sein und heiratete - als Müller auf dem Penzengut - am 29. Januar 1720 (mit ca. 20 Jahren) die Margaretha Gstatter, Tochter des Valentin Gstatter und der Margaretha Hierter. Balthasar Zeller war der Sohn des Heinrich Zeller und der Katharina Angerer (Herkunft noch unbekannt; vermutlich Ruhpolding). Balthasar Zeller starb am 24. April 1751 mit 51 Jahren, seine Ehefrau Margaretha am 5. Dezember 1754 mit 57 Jahre.

 

1727

Kind Heinrich Poll (=Zeller?) am 13. Juli 1727 auf der Benzmühle geboren. Eltern sind angeblich Balthasar Poll und Margaretha Gstader. Hier scheint ein Schreibfehler des Pfarrers vorzuliegen. Es muss Balthasar Zeller und Margaretha Gstader heißen.

 

1743

Am 4. März 1743 starb Anna Penz, ledige Tochter des 1711 gestorbenen Penzmüller Hans Penz, auf der Penzmühle (Benzmühle). Dies könnte wohl als Hinweis zu sehen sein, dass die Mühle immer noch im Besitz der Verwandtschaft war.

 

1752

Sebastian Zeller/Zellner, geboren am 9. Januar 1721 als Sohn des Balthasar Zeller/Zellner und der Margaretha Gstatter, übernahm die Penzmühle "mit 3 gäng unnd einer Saag". Dieser Sebastian Zeller heiratete 1752 die Katharina Schwaiger von Waidring am Pillersee in Tirol. Sebastian Zeller starb am 3. März 1772. Er hatte laut Kirchenbücher nur eine Tochter. Die Mühle ging deshalb auf Paul Gstatter (vermutlich aus der Verwandtschaft seiner Mutter Margaretha Gstatter) über.

 

1770

Paul Gstatter, Müller auf dem Penzmühlergut, vermählte sich am 14. September 1770 mit Anna Heigenhauser vom "Liebertinger" zu Blindau (ehemals Besitz der Steinbacher; auf dem Steinbacher-Hof hatte der Penz ursprünglich Erbrecht; vgl. 1474). Paul Gstatter starb bereits am 19. April 1775. Sein 1774 geborener Sohn Paul übernahm später von seiner verwitweten Schwester Anna Gstatter, verheiratete Pfändl, die Entfeldmühle.

 

1775

Die Witwe Anna Gstatter, geborene Heigenhauser, heiratete am 31. Juli 1775 Rupert Dufter aus Inzell.

 

1803

August Dufter von der "Penzmühle" gelobte zusammen mit acht weiteren Personen (fünf von Reit im Winkl, drei von Entfelden) als Gemeindevorsteher (wohl für Blindau) dem neuen Pfarrvikar Valentin Ponschab (geboren 1770 in Ingolstadt als Leonhard Ponschab, weitschichtige Verwandtschaft zu den Knogler-Vorfahren Ingolstadt, Ponschab waren auch Distelmüller in Greding, Hochzeiten Benz - Ponschab gab es 1693 in Beilngries und 1801 in Wemding) "schuldigen Gehorsam". Wie dieser August Dufter zu Rupert Dufter verwandt war, ist noch ungeklärt. Unter Ruperts Kindern erschien jedenfalls kein August Dufter.

 

1805

Pankraz Dufter, geboren am 14. Juli 1776 als Sohn des Rupert Dufter, übernahm das Penzmühlanwesen mit "Rudizerter Mahl- und Sägemühlgerechtigkeit" im Wertanschlag von 3.440 fl. Pankraz Dufter vermählte sich am 29. Juli 1805 mit Susanne Gogl vom "Knogler" in Reit im Winkl (ebenfalls Verwandtschaft, vgl. Hochzeit Benz - Knogler 1854 in Greding). Die Mutter der Susanne Gogl war eine geborene Pfändl vom "Knogler"-Anwesen in Reit im Winkl. 1888 heiratete in München Karl August Knogler (aus der Verwandtschaft der Theresia Knogler, die 1854 in Greding den Michael Benz heiratet) eine Emma Gogl.

1818

Auf der Penzmühle herrschte eine große Viehseuche. Pankraz Dufter und Susanne Gogl verlobten sich deshalb in der Wallfahrtskirche Klobenstein bei Kössen in Tirol. Hier befindet sich noch heute eine große Votivtafel mit einer Abbildung des Penzmüllehepaars.

 

1840

Pankraz Dufter verkaufte das Penzmülleranwesen an Georg Mayer, Ströhtrumpfer von Grassau.

 

1846

Georg Mayer verkaufte am 9. Dezember 1846 das Penzmühleranwesen an Joseph Furtner, Müller von Wildenwart. Joseph Furtner, geboren am 7. Januar 1805 als Bauernsohn zum Schwemm von Eisenbartling (bei Endorf) hatte am 28. Februar 1832 die Anna Weyer/Weiher, Bauers- und Webertochter zum Renner in Giebing geheiratet. Joseph Furtner starb am 13. Juli 1873, seine Frau Anna 20 Jahre früher, am 14. Januar 1853.

 

1867

Peter Furtner, geboren am 24. November 1833 als Sohn des Joseph Furtner, übernahm das Penzmülleranwesen. Peter Furtner verehelichte sich am 29. Januar 1867 mit Theresia Daxenberger, Waffenschmiedstochter vom Hammerer zu Unterwössen.

 

1876

Peter Furtner verkaufte das Anwesen an Joseph Kraus, Holzhändler aus Leutenbach (Kreis Forchheim in Oberfranken). Dieser überschuldete sich und somit wurde das Anwesen versteigert.

 

1877

Das Bankhaus Geist & Bräuninger ersteigerte das Anwesen am 14. Juni 1877. Es wurden die Anteile an der Hemmersuppenalm, die Niederalm am Untergschwend (jetzt Mairgschwendtalm genannt) und die Blindauerwiesen mit dem Penzkaser am Neumais vom Anwesen abgetrennt.

 

1878

Der Müller Michael Diesl (Disl, Dießl), geboren am 2. Juli 1843 in Endlhausen (Kreis Bad Tölz - Wolfratshausen) erwarb am 2. Oktober 1878 das Anwesen. Im selben Monat (am 28. Oktober 1878) heiratete er die Monika Maier, Bauerstochter von Mitterdarching (Kreis Miesbach).

 

1879

Am 4. August 1879 brannten das Penzmüllerhaus (heute Benzmühle) und das Zuhaus total ab. Das Hauptwohn- und Wirtschaftsgebäude wurde an gleicher Stelle sofort wieder aufgebaut. Anstatt des niedergebrannten Zuhaus baute Michael Diesl an andere Stelle, südwestlich des Hauptgebäudes im Jahre 1899 ein neues Zuhaus auf.

 

1885

Michael Diesl erwarb wieder einen Anteil an der Hemmersuppenalm (aus dem Eder-Anwesen in Reit im Winkl). Michael Diesl starb am 20. Februar 1918, seine Frau Monika am 13. Mai 1931.

 

heute

ist die Mühle im Besitz von Stefan Diesl, dem Urenkel des Michael Diesl. Bekannt ist die Benzmühle heute durch ihr Skigebiet Benzeck - mit der ersten Snowtubingbahn Deutschlands.

 

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