Versuch einer Erklärung des Familiennamens Benz/Penz
Der Name "Penz/Benz" geht auf eine sehr frühe Zeit zurück und zählt wohl zu den ältesten deutschen Familiennamen. Aus diesem Grund weiß die Wissenschaft keine sichere Erklärung. Bereits in der ersten Siedlungsphase der Bajuwaren (im 5. bis 7. Jahrhundert n. Chr.) erscheint öfters der Sippename Penzo als altgermanischer Personenname. Eigenart dieser ersten Baiern war es, ihre Siedlungen mit "-ing" enden zu lassen (vgl. auch "-ingen" im Schwäbischen). So gibt es noch heute vier Ortschaften in Bayern mit "Penzing", die wohl auf einen Penzo oder Panzo zurück gehen dürften. Umfangreiche Ausgrabungen in Penzing bei Landsberg am Lech haben ergeben, dass der oberbayerische Ort um ca. 550 n. Chr. gegründet worden ist. In Österreich sind es drei Penzing-Orte, die allerdings vom Chiemgau aus gegründet wurden. Die altbaierische Endung "-ing" bedeutet dabei soviel "wie bei den Leuten des ..." oder "Wohnstätte des ..". Weitere Benz-/Penzorte siehe die entsprechende Homepage-Seite. Die meisten dieser Benz-/Penzorte liegen im Machtbereich der Grafenfamilien der Sieghartinger, Sulzbacher (später Hirschberger), Spannheimer und Ortenburger, "einer stark untereinander verwandten Adelsgruppe" . Besonders im Chiemgau hatten diese Gruppe umfangreichen Besitz.
Eine der ersten urkundlichen (schriftlichen) Erwähnungen der Namens "Penzo" findet man in den Traditionen des Hochstifts Freising. Am 18. März 845 erscheint ein Penzo als Zeuge in einer Urkunde des Hochstifts Freising, in der der Edle Cundpato seinen Besitz in Grimmelbach (Pfarrei Obertaufkirchen bei Erding) übergibt.
Der Text der Urkunde lautet sinngemäß wie folgt (er wurde von zwei unterschiedlichen Personen übersetzt, da sich Abweichungen ergaben habe ich beide Versionen aufgeführt):
"Im Namen unseres Herrn Jesu Christi. Es ist vielen redlichen Männern aus der Provinz der Bayern nicht unbekannt, daß einst der ehrwürdige Herr Bischof Erchanbertus und der Graf Papo und mit ihnen viele andere an einem Ort namens Niftharteskhirichun (=Neuharting, Gemeinde Dorfen, Kreis Erding; Anm.) zusammengekommen sind. Zugleich ist auch der Advokat Toto des obengenannten Bischofs hinzugekommen und verlangte einstmals vom Edelmann namens Cundpato, Sohn des Albrici, den Teil seines Besitzes in Crumpinpah (=Grimmelbach, Gemeinde Schwindegg, Kreis Mühldorf a. Inn), nahe der Kirche der heiligen Maria von Freising, der ihm vom Selphado hinterlassen wurde. Sogleich erwiderte der obengenannte Cundpatoni, er könne und wolle nicht diskutieren und er folgte sofort freudig und übergab den Besitz voll und ganz aufgrund des Verlangens für das Tabernakel der heiligen Maria aus der Erbschaft mit den fünf Zeugen namens Uuilliram, Riholf, Adalhart, Hrodhilt, Elnalhilt. Der obengenannte Herr Bischof Erchanbertus und sein Advokat Toto übernahmen diese Tradition und versicherten fürderhin den Besitz entsprechend den bayerischen Sitten zu halten. Dies bedachte Erino, ein Diener der heiligen Maria, über drei Nächte und danach akzeptierte der genannte Cundpato freundlich, daß jedes Jahr ein Tribut von vier Pfennigen zum jährlichen Festtag der Kirche von Freising fällig wäre. Dessen sind rechtmäßige Zeugen der Graf Papo, Epacbo, Adalperht, Rihholf, Cunfrid, Perhtolt, Penzo, Rihhelm, Fridaperht, Adalperht, Folmuot, Cotahelm, Perhtrib, Oadalscalh. (...) Geschehen im Jahre 845 der Menschwerdung des Herrn. Ich, Kernod, unwürdiger Diakon habe dieses Dokument geschrieben und unterschrieben im Auftrag des Bischofs Erchanbert."
Zweite Übersetzung:
"Im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Es wird von allen wahrheitskündenden Männern der Bajuwaren bezeugt, daß einst der ehrwürdige Herr Bischof Erchanbertus und sein Begleiter Papo und mit diesen zugleich andere in großer Zahl an dem Ort zusammengekommen sind, der Niftharteskhirichun heißt. Zugleich traf auch Toto, der Anwalt des Vorsitz führenden Bischofs Erchanbertus ein und erhob Einspruch, daß der edle Mann mit Namen Cundpato, Sohn des Albricus, dereinst wegen seines Eigentumsrechtsanteils an den Plätzen bei Grumpinpan, vorher zur Heiligen Maria der Freisinger Kirche des Sitzes von Selphard, erbberechtigt eingesetzt wurde. Darauf antwortete der oben erwähnte Cundpato selbst, er könne und wolle sich dazu nicht äußern, er rückte in jene Plätze aber bald auf und berichtete heftig im Innersten aufbrausend, daß er selbst unantastbar in dieser Sache sei, dieser Einspruch beziehe sich auf ein Kästchen (Reliquienkästchen?) der heiligen Maria, und aus anderer Erbschaft gehörten seinem Vater Besitztümer mit Namen Uuilliram, Riholf, Adalhart, Hrodhilt, Elnhilt. Und in der Tat nahmen der oben angesprochene ehrwürdige Bischof Erchanbertus selbst und sein Anwalt Toto diese Erklärung an und beschlossen, daß später eine Sitzung nach den Regeln der Bajuwaren abgehalten werden solle. Das brachte Erino, Diener der Heiligen Maria, in drei Nächten in Bewegung, und dann endlich nahm der schon erwähnte Cundpato ein Beneficium in Empfang, auf daß er eine gebührend große Abgabe jährlich für Fest und Feier jener Kirche in Freising zahle, das sind vier Denare. Hier folgen die gesetzlichen Zeugen: Papucomes, Epacho, Adalperht, Rihholf, Cunfrid, Perhtolt, Penzo, Rihhelm, Fridaperht, Adalperht, Folmuot, Cotahelm, Perhtrih, Oadalscalh. Er ist gestorben und die meisten anderen. Geschehen im Jahr 845 nach Christus, die consule in XV. Kal. aprilis. Und ich Kernod, unwürdiger Diakon, habe diese Kartei zur Überlieferung geschrieben und auf Geheiß des Herrn Bischofs Erchanbertus unterschrieben."
Weitere
ähnliche Erwähnungen gibt es in den Traditionen der Bistümer
Freising (845 bis 1053) und Passau (zwischen 1013 bis 1150), wobei es sich wahrscheinlich
immer noch um den Vornamen "Penzo" handelt.
Als Erklärung für den Namen Benz/Penz geben die folgenden Namensforscher an:
Der tiroler Familienname "Penz" kommt besonders im Ziller-, Wipp- und Kaunertal vor. Bereits 1194 (hier irrte sich Finsterwalder, die Erwähnung war 1237) wird ein "Pencius" und 1231 ein "Penzo" in Tisens/Südtirol (halbe Strecke zwischen Bozen und Meran) erwähnt. Der Familienname "Penz" soll nach Finsterwalder eine Koseform zum Personennamen "Penno" sein. Dieses "Penno" soll sich ursprünglich - als Kurzform (wie auch Betz/Petz) - vom Vornamen "Bernhard, Bernhardt, Bernharder usw." ableiten. "Penz" oder "Benz" würde dann soviel wie "stark, mutig und kühn wie ein Bär" bedeuten. Neben "Penz" erscheinen im tiroler Raum noch weitere Koseformen zu "Penno": "Pendl" (besonders im Zillertal), "Pendler" (besonders in Fieberbrunn und Kössen (tirolerischer Nachbarort von Reit im Winkl, beide Orte waren früher zusammen mit Reit im Winkl Bestandteil der Urpfarrei Kirchdorf in Tirol) und "Penn" (besonders in Eisacktal). Auch bemerkt Finsterwalder in seinem Buch, dass der Name "Penz" in Tirol entstanden ist.
Tarneller
Josef Tarneller unterscheidet in seinem Buch "Tiroler Familiennamen" weitere Formen zu "Penz". So sind nach ihm die "Penz" in Navis (Seitental zum Wipptal bei Matrei am Brenner) und in Wiesen (bei Sterzing im Wipptal) beheimatet, die "Penzen" in Rinn (bei Innsbruck) und in Uderns (im Zillertal), die "Penz(e)l" am Ritten bei Bozen (dort gibt es heute noch einen Gutshof/Weiler "Penzl") und die "Penzer" in Telfes. Ob mit diesem Telfes der Ort Telfes bei Sterzing oder der Ort Telfes im Stubaital gemeint ist, lässt sich aus den Aufzeichnungen nicht entnehmen. Doch lassen sich in beiden Orten - laut Telefonbuch-CD - mehrere Familien Penz nachweisen.
Neben Finsterwalder haben noch weitere Namensforscher den Familiennamen "Penz"/"Benz" erklärt:
Brechenmacher , Bahlow
Der oberdeutsche (=süddeutsche) Familienname "Benz" (im bayerischen und österreichischen öfters auch "Penz" oder "Pentz") ging aus den Vornamen "Berchtold" (seltener "Bernhard" oder "Benedikt") hervor.
"Berchtold", "Bert(h)old" hat sich aus den im oberdeutschen (=süddeutschen) Raum altbeliebten Vornamen "Berachtold" bzw. "Berchtwald" entwickelt. Der Name bedeutet soviel wie "der glänzende, strahlende Herrscher" (althd. "beraht" = hell, strahlend, glänzend, prächtig, berühmt und althd. "waltan" = herrschen, walten). Eigenartigerweise heißen die ersten Penz in Südtirol mit Vornamen Bert(h)old.
"Bernhard" war ein - besonders in Norddeutschland (und wohl auch in Tirol; Anmerkung) - weit verbreiteter Vorname. Er bedeutet soviel wie "stark, mutig und kühn wie ein Bär".
"Benedikt" stammt aus dem Lateinischen ("benedictus" = der Gesegnete). So gab es im 10. Jahrhundert in Metz einen Bischof Benedikt, für den die Kurzform "Penzo" belegt ist.
Heintze-Cascorbi
Nach den Forschern Albert Heintze und Paul Cascorbi kann der Name "Benz" einen doppelten Ursprung haben. Vielleicht geht er auf das langobardische Wort "bandu" = Kriegsbanner zurück. Aus "bandu" wurde "bando", daraus später durch Lautveränderung (sowie den Wegfall des o) "Benz". Seine Bedeutung wäre dann Kriegsbannerträger.
Die Langobarden lebten vor dem Bajuwaren im Raum Tisens/Südtirol. Zwischen den Langobarden und den Bajuwaren bestand eine sehr enge Beziehung (vgl. diverse Hochzeiten, Herzog Heinrich II., der Heilige, war seit 995 Herzog von Bayern und seit 1002 König bzw. seit 1014 Kaiser der Langobarden usw., usw.). Vor dieser Zeit, um ca. 600 heiratete die bayerische Prinzessin Theodolinde den Langobardenherzog Autari und führte ihn - laut Professor Andreas Bauch von Eichstätt - zum Katholizismus. In den weiteren Ausführungen von Professor Andreas Bauch wird auch klar, welche Auswirkung diese Hochzeit für den Raum Eichstätt hatte: "Man stelle sich fast das Absurde vor: von Bayern aus wird die Lombardei katholisch, die vorher arianisch war. (...) 599 führte sie (Prinzessin Theodolinde; Anm.) den Stamm der Langobarden vom Arianismus zum Katholizismus und der große Papst Gregor I. gab ihr große Geschenke." Eben jene Langobarden sollen dann den Raum Eichstätt christianisiert haben: "Die Langobarden haben nämlich bei uns die Altmühl aufwärts missioniert, über Eichstätt herauf bis Solnhofen."
Wahrscheinlicher ist aber, dass sich "Benz" aus dem alten Wort "Beran" (althochdeutsch "bero", mittelhochdeutsch "ber" = Bär) entwickelt hat. Durch Kürzung wurde aus "beran" das Wort "bern", durch Anhängen von "o" dann "berno" (bzw. auch "benno"), in der Verkleinerungsform mit "z" dann "Benzo" und "Benz". "Benz" würde dann "stark wie ein Bär" bedeuten.
Förstemann
Der Namensforscher Ernst Förstemann gibt gleichfalls eine doppelte Erklärung. Nach seiner Anschauung stammt "Benz" wahrscheinlich von dem langobardischen "bando" (=Feldzeichen, Standarte, Standartenträger) ab. Eventuell könnte auch das althochdeutsche Wort "banz" (=Gau) namensgebend gewesen sein. Aus "banz" bildet sich durch Anhängen von "o" die Verkleinerungsform "banzo/panzo", daraus "Penzo", "Benzo". Im neuhochdeutschen wird daraus "Banse", "Bense", "Benz", "Bentz", "Penz" u.ä. Danach würde "Benz" der Gau- oder Landbewohner oder eventuell auch der Gau- oder Landverwalter bedeuten.
In diesem Zusammenhang (Gaubewohner, Gauverwalter) ist auch ein Hinweis bei Stolz interessant : "Das Herzogtum Baiern war von althersher in Gaue gegliedert und diese bildeten die Grundlage für die Grafschaften (...). Nach der ältesten, darüber etwas aussagenden Urkunde vom Jahre 923, gehörte das Bozener Etschufer, ausdrücklich die Orte Terlan und Mölten, zur Grafschaft (comitatus) Nurital (=Norica) (...) und bezieht sich im Sinne einer geschlossenen Talschaft, einmal ausdrücklich einer Grafschaft, auf das ganze Eisacktal. Die Form "pagus Orital" (...) dürfte (...) infolge Unkenntnis eines landfremden Schreibers entstellt sein, "pagus" bedeutet Gau (...)." Sollte also Benz von "banzo/panzo" (=Gaubewohner) stammen, so dürften die Benz ursprünglich baierische Untertanen gewesen sein (vgl. erste Erwähnungen im Raum Freising und Eichstätt).
Als einen der ersten Belege des Namens Penzo nennt Förstemann u.a. einen Penzo und einen Penno in einer Urkunde des Bischofs Gundekar von Eichstätt (1057 bis 1075). Etwa zur selben Zeit erscheinen auch Penzo und Penno häufiger - über einen längeren Zeitraum (von ca. 990 bis ca. 1100) in den Urkunden des Bischofs von Brixen (vgl. unten).
Ob
nun der Familienname "Benz" bzw. "Penz" einen italienisch-langobardischen
oder einen germanisch-bajuwarischen Ursprung hat (letzteres dürfte wahrscheinlicher
sein, vgl. erste Erwähnung 845 im Hochstift Freising, und spätere
Ausführungen zum Lehensgeschlecht der "Freisinger" bzw. "von
Freising" in Südtirol und die Rodung 1166 durch den Bischof von Freising
in Bozen-Gries), wird sich wahrscheinlich nicht mehr genau feststellen lassen.
Ursprünglich waren die Langobarden ebenfalls ein germanisches Volk, das
von Schweden über Deutschland, Ungarn nach Italien einfiel. Geschichtlich
waren die Bajuwaren und die Langobarden - wie oben bereits angesprochen - um
die Jahrtausendwende sehr eng verbunden (Besiedung der Gebiete Südtirols
ab dem 6. Jahrhundert durch die Bajuwaren, ab dem 8. Jahrhundert Vermischung
mit den Langobarden. So wurde zwischen beiden Völkern oft geheiratet. Herzog
Heinrich II. von Baiern, genannt der Heilige, Gründer des Bistums Bamberg,
war u.a. König, später Kaiser der Langobarden in Italien usw., usw.).
Meine Benz/Penz-Verwandtschaft erscheint in folgenden Orten:
(Ein Klick auf den Ortsnamen und man kommt zurück zum entsprechenden Regierungsbezirk)
80??? München/M, 82319 Starnberg/STA, 83242 Reit im Winkl/TS, 83661 Lenggries/TÖL, 91171 Greding/RH, 92234 Berching/NM, 92339 Beilngries/EI, 94491 Hengersberg/DEG, Zillertal/Tirol, Südtirol
Zur Chronik der Penzmühle (heute Benzmühle) in Reit im Winkl (Kreis Traunstein/Oberbayern)
(Ergänzungen bitte an: vinzenz@benz-lenggries.de)